Camp D 2018 – Ein Rückblick aus Elternsicht

Vor einer Woche fand es endlich statt – das Camp D – ein Diabetescamp auf das viele junge Diabetiker hingefiebert haben. So kam es uns jedenfalls vor, wenn wir an all die vielen Berichte und Kommentare im Internet denken. Schon nach Bekanntgabe des Termins konnte man die Vorfreude der Teilnehmer und von so manchen Betreuern im Internet lesen. Unter dem Motto “Colour your life” fand es vom 05.Juli bis 08. Juli in Bad Segeberg statt.

Das Besondere am Camp D ist, dass es sich an eine Zielgruppe richtet, die für uns Eltern, aber auch für die behandelnden Diabetologen, oft nur noch sehr schwer erreichbar ist. Jugendliche in dem Alter zwischen 16 und 25 Jahren kapseln sich immer mehr von ihren Eltern ab. Sie wollen sich nicht mehr von ihren Eltern in die Diabetestherapie “hineinreden” lassen, oder sie entwickeln eine schwierige “Null-Bock-Auf-Diabetes”-Phase. Nicht selten kommt es gerade auch in dieser Altersgruppe zu einem Diabetes-Burnout. Es ist also eine Zeit in der sich der Weg bildet, wie die jungen Menschen in Zukunft mit ihrer Erkrankung umgehen werden. Und so ein Wochenende, mit viel Gemeinschaftsgefühlt, kann ziemlich viel in Richtung positiver Umgang mit der Krankheit bewirken. Es kann die Diabetes-Akzeptanz stärken und die Jugendlichen animieren, sich wieder mehr um ihre Erkrankung zu kümmern.
Und beim Camp D kommt dieses Gemeinschaftsgefühl auf alle Fälle nicht zu kurz. 400 junge Typ 1 Diabetiker auf einen Haufen, das war auch für uns als Mütter schon sehr bewegend und beeindruckend. Das Camp D strahlte auf uns eine unglaublich positive Atmosphäre aus, die auch auf uns übergegangen ist. Fast waren wir ein wenig traurig, dass unsere Kinder mit ihren 10/11 Jahren noch zu jung sind.

Wir hatten im Vorfeld viel vom Camp D gehört und haben uns sehr über die Einladung von Novo Nordisk gefreut, die uns die Möglichkeit gab für einen Tag Camp D Luft zu schnuppern und die tolle Atmosphäre live zu erleben.

Unser persönlicher Eindruck

Das Areal auf dem das Camp D stattfand umfasste mehr als 111.000 Quadratmeter. Mehr als 400 Teilnehmer und 130 Betreuer wurden in gut 300 Zelten in 2er/3er Belegung untergebracht. Jeder Kleingruppe (8 Teilnehmer) waren 2 Betreuer fest zugeteilt. Diese enorme Größe war schon sehr beeindruckend. Die Hauptmahlzeiten wurden im großen Gemeinschaftszelt zusammen eingenommen. Doch überall auf dem Areal verteilt fanden sich Kühlschränke mit Snacks für Zwischenmahlzeiten und Getränkeauffüllstationen. Für uns als Außenstehende, wirkte die Durchführung und Organisation dieses Events unheimlich professionell und gut durchdacht.

Was uns aber am meisten positiv aufgefallen ist, waren die vielen entspannten und fröhlichen Gesichter, in die wir die ganze Zeit blicken durften.

Ein Tag im Camp D

Wir durften das Camp D am Samstag besuchen. An diesem Tag fand der “Sporttag” statt. Die Teilnehmer konnten Kickboxen mit Anja Renfordt, sich mit Timur Orus im Rasenhockey ausprobieren, Stand-Up-Paddeling auf dem Seegeberger See testen oder eine Radtour machen. Daneben gab es ein Fußballtunier mit Felix Petermann, Beachvolleyball, Yoga und vieles mehr. Die Jugendlichen hatten wirklich die Qual der Wahl. Der Tag stand im Zeichen des Sports um Neues auszuprobieren und gemeinsam Spaß zu haben. Doch wer einfach nur Chillen wollte, der konnte das natürlich auch tun.

Was für uns Eltern wichtig ist

Wir Eltern blicken natürlich noch etwas anders auf so ein Camp, als die Teilnehmer selbst. 🙂

Das Camp richtet sich an eine Altersgruppe, die sich gerade von ihren Eltern abnabelt oder es schon lange getan hat. Und dennoch, wollen wir als Eltern, dass es unseren Kindern in so einem Camp gut geht und es ihnen an nichts fehlt. Gerade auch in Hinblick auf ihre Diabetes-Erkrankung. Zu wissen, dass sie in dieser Zeit hervorragend betreuet werden, ist wohl für die meisten Eltern beruhigend, auch wenn die Kids schon “groß” sind. Für uns sind dabei die Themen medizinische Versorgung und Sicherheit ebenso wichtig, wie der Austausch und der Spaß an den Aktivitäten.

Medizinische Versorgung
Vor Ort wurden die Jugendlichen von einem Diabetologen und Diabetesberater-Team medizinisch betreut. Notfall-Krankenwagen standen die ganze Zeit auf dem Gelände, um im Falle eines Falles schnell helfen zu können. Daneben gab es eine Notfallbetreuung des Dia-Shops, sollten die Teststreifen ausgehen, oder der Pen nicht mehr funktionieren. Doch neben dieser medizinischen Standardbetreuung standen die Berater und Ärzte auch jederzeit für Gespräche unter vier Augen zur Verfügung, um vielleicht auch mal über Dinge zu sprechen, die sie so mit dem eigenen Diabetologen nicht bereden wollen oder sich auch mal eine zweite unabhängige Meinung zu einem Diabetesproblem einzuholen.

Sicherheit
Neben der medizinischen Betreuung ist für uns Eltern aber auch die allgemeine Sicherheit ein großes Thema. Egal wie alt, die Jugendlichen durften das Camp D Gelände nicht alleine, sondern nur in Begleitung von Betreuern, verlassen. Jeder musste sein Namenschild tragen und ein Wachdienst sorgte für die allgemeine Sicherheit der Teilnehmer.

Meinung der Teilnehmer
Wir haben den Tag nicht nur genutzt, um uns die ganze Organisation und die Betreuung zu “begutachten”. Nein, wir haben auch mit einigen Teilnehmern persönlich gesprochen, um ihre ganz eigene Meinung zum Camp einzufangen. Und durch die Bank alle Jugendlichen, mit denen wir gesprochen haben, hatten nur positive Worte für die Zeit im Camp. Sie berichteten von der extrem guten Stimmung, die irgendwie auf alle Teilnehmer übergesprungen ist. Das unheimlich tolle Gemeinschaftsgefühl und einige waren traurig, dass sie beim nächsten Camp D dann wohl schon zu alt sein werden. Viele haben neue Freundschaften geknüpft, die sie auch zuhause vorsetzten möchten. Und das hört sich für uns als Mütter doch phantastisch an.

Aus unserem kleinen Einblick in das Camp D würden wir jeden der die Möglichkeit hat raten, am Camp D teilzunehmen. Die Chance nutzen, sich 4 Tage mit Menschen auszutauschen und Spaß zu haben, die die gleiche Erkrankung haben wie man selbst. Sich in speziell auf diese Altersgruppe richtenden Workshops über verschiedenen Themen zu informieren oder am Sporttag einmal neue Sportarten mit Profis auszutesten. Und das Beste dabei: Alle Teilnehmer haben Diabetes Typ 1. Niemand ist anders, alle durch den Diabetes vereint. Ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl erleben, das auf die meisten Camp-Teilnehmer positiv überspringt, das sogar wir es spüren konnten.

Mit dem Einblick, den wir an diesem Tag gewinnen konnten, würden wir unsere Kinder jederzeit ermutigen am nächsten Camp D teilzunehmen. Doch auch in 3-4 Jahren sind unsere Kids dann immer noch zu jung. Aber irgendwann haben auch sie das passende Alter erreicht und dann können auch sie diese tolle Camp D Atmosphäre erleben.

Kathy & Mandy

 

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Danke an Novo Nordisk für die Einladung, dass wir dies unglaublich tolle Camp-Atmosphäre schnuppern durften. Und auch, wenn Novo Nordisk unsere Reisekosten übernommen hat, so spiegelt dieser Bericht nur unsere persönliche Meinung wider.

 


Ein paar Zahlen und Fakten rund ums Camp D

* Europas größtes Zeltcamp für Jugendliche und junge Erwachsene mit Typ1

* 2018 war das 5. Camp in 12 Jahr

* 111000 Quadratmeter auf dem Landesturnierplatz in Bad Segeberg

* mehr als 400 Teilnehmer aus ganz Deutschland

* 130 Betreuer die mit Rat und Tat zur Seite stehen

* Dank Sponsoren kostet die Teilnahme für jeden nur 99 Euro Eigenanteil

* 2018 gab es 12 Workshops und 11 Sportarten zum probieren

 

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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