Klassenfahrt mit Diabetes

Timos erste Klassenfahrt – im Gepäck Diabetes Typ1

Fahren oder nicht fahren das ist hier die Frage

Am Anfang vom Schuljahr, als das erste Mal über eine Klassenfahrt gesprochen wurde war für Timo eigentlich klar: “Das mach ich nicht mit!” Timo ist in dieser Beziehung doch eher der gemütliche, der lieber in seinem gewohnten Umfeld bleibt. Doch je näher der Termin rückte, umso mehr konnte er sich auf die Idee Klassenfahrt einlassen. Drei Tage mit seinen Freunden war dann doch zu verlockend. Die einzige Sicherheit um die er bat war, das ich klären mit den Lehrern klären sollte, dass er sein Handy immer bei sich behalten darf, um mit mir bei Fragen Rücksprache halten zu können. Eins kann ich Euch schon verraten. Es kam keine einzige Rückfrage. Der Termin stand und die Koffer wurden gepackt. Leider fiel der Schullandheimaufenthalt in die kältesten Tage hier bei uns in Bayern. Das machte mir schon etwas Sorgen. Eine Klassenfahrt mit Typ1 Diabetes gibt einem ja mehr zu bedenken. Ich wusste das sie die meiste Zeit draußen verbringen werden. Insulin bei den Temperaturen? Wie ist die Wirkung des Insulins und wie die Haltbarkeit?

Wie reagiert Insulin bei minus 20°?

Zur Vorsicht habe ich zwei Reservoir vorgefüllt und als Ersatz mitgegeben. Das Wechseln und einen neuen Katheter setzen kann er allein. Auch die Notfallbox für eventuelle Unterzuckerungen war gut gefüllt. Für die Nacht haben wir besprochen, dass er lieber mit höheren Blutzuckerspiegel ins Bett geht da niemand kontrollieren wird ob alles passt. Er war diese Tage ganz allein für sich verantwortlich.

Ich war doch sehr Stolz, dass er nun doch mitfuhr. Mit Freude habe ich die Jungs beobachtet, wie sie aufgeregt über die kommenden Tage sprachen und habe mir gleichzeitig immer wieder gut zugeredet. “Du weißt, dass er es kann.”, damit bracht ich ihn dann auch zum Bus. Ich glaube wirklich am aufgeregtesten war ich. Und es war wirklich so. Die Mama hatte schlaflose Nächte und immer den Gedanken ob alles gut geht. Obwohl ich weiß wie selbstständig er im alltäglichen Umgang mit seiner Krankheit ist. Eine Mama macht sich trotzdem Sorgen.

Tage voller Action

Die Unterkunft war ein altes Kloster mit ringsum Wald in dem die Kinder ihre Tage verbrachten. Die Insulinpumpe war unter der Schneehose gut geschützt aber unpraktisch zum Bedienen. Viel Bewegung an der frischen Luft erforderte, die eine oder andere zusätzliche KE, um den Blutzucker stabil zu halten. Timos Notfallbox war also recht schnell leer. Da wir ihn aber natürlich auch Geld mitgegeben haben, konnte er sich Saft aus einem Automaten kaufen um eine Hilfe bei Unterzuckerungen bei sich zu haben.

Und die Moral von der Geschichte

Meine Sorgen waren unbegründet. Den wie er täglich beweist kann er auch ganz ohne Mama seinen Alltag bestreiten. Das Essen wurde geschätzt und das kann er wirklich besser wie ich. Seine Entscheidungen über anpassen der Basalrate waren auch gut. Ich hätte in keiner Situation anders gehandelt. Meine schlaflosen Nächte neben dem Telefon und der daraus entstandene starke Kaffeekonsum waren unbegründet.

Ich kann jetzt nicht sagen das Timo die Tage weitergebracht oder gestärkt haben. Selbstständig und gewissenhaft ist er schon immer mit seinem Diabetes. Doch die Mama hat loslassen gelernt und das ist doch auch ein Erfolg.

Mandy

Mandy

Bereits im Alter von 3 Jahren erkrankte unser Sohn an Diabetes Typ 1. Fast noch ein Kleinkind, hieß es von nun an Pieksen, Messen, Insulin abgeben. In meinen Beiträgen möchte ich zeigen, wie wir alle zusammen mit der Krankheit leben.
Mandy

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

1 Comment

  • Swantje 26/04/2018 at 08:47

    Hej Mady,
    Das lief ja großartig, ich finde, sowohl Timo als auch du könnt super stolz auf euch sein:) was für ein Meilenstein, Klassenreise plus Diabetes alleine gewuppt zu haben, dein Sohn hat das klasse gemacht! Und du hast ihm die Bedingungen dafür geschaffen, also gebührt dir ein genauso großes Lob:) Das Mamaherz einer Zuckermutter macht sich eben ein bisschen mehr Sorgen als andere, das kann ich nur unterschreiben.
    Liebe Grüße aus dem Norden,
    und danke für den Erfahrungsbericht, der macht Mut!
    Swantje

    Reply

Leave a Comment