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Unsere Erfahrungen zum Thema Ernährung nach der Diagnose Diabetes Typ 1

GASTBEITRAG von Sonja, Mutter eines 13jährigen Sohnes der 2017 an Diabetes Typ 1 erkrankte

Im folgenden möchte ich euch unsere Geschichte und Erfahrungen seit der Diabetes Typ 1 Diagnose unseres Sohnes vor einem 3/4 Jahr mitteilen.

Als wir am 15.5.2017 erfuhren, dass unser 13jähriger Sohn Diabetes Typ 1 hat, brach zunächst einmal eine Welt für uns zusammen. Ein Schock, der das Leben unserer fünfköpfigen Familie von heute auf morgen auf den Kopf stellte.
Es folgte ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt, der uns mit vielen Schulungen auf unser neues Leben vorbereiten sollte.

Man darf alles essen, genauso wie vor der Diagnose

“Man darf alles essen, genauso wie vorher, solange man es entsprechend mit Insulin versorgt.” Diese Aussage beruhigte uns zunächst natürlich, und vor allem unseren Sohn. Ich wollte jedoch mehr über eine Ernährung erfahren, die für einen Diabetiker besser geeignet ist – eine Schulung zu diesem Thema gab es aber nicht. Da wir vor allem die Kohlenhydrate mit Insulin versorgen müssen, fragte ich, ob eine Reduzierung dieses Nährstoffes sinnvoll wäre, dies verneinte die Ärztin jedoch mit Verweis auf die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, welche 50% der Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten empfiehlt.

Zuhause angekommen machten wir jedoch schnell die Erfahrung, dass viele Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel Achterbahn fahren lassen. Einer steilen Kurve nach oben folgte fast immer eine steile Fahrt nach unten, und die daraus folgenden Unterzuckerungen waren für unseren Sohn sehr unangenehm.

Ich las in dieser Zeit sehr viel über diese Stoffwechselkrankheit, weil ich das Gefühl hatte, nur mit viele Wissen unseren Alltag meistern zu können.

“Wie bekommen wir den Blutzucker besser in den Griff?”,
“Woher kommt diese Autoimmunkrankheit?”,
“Was kann ich durch Ernährung positiv beeinflussen?”

Ich hatte so viele Fragen…

Glutenunverträglichkeit und Ernährungsumstellung

Vor allem in der amerikanischen Literatur fand ich Antworten auf meine Fragen. Und im Laufe der Zeit machten wir u.a. folgende Erfahrungen:

  • Der Blutzuckerspiegel ist besser zu kontrollieren, wenn eine Mahlzeit nicht mehr als 30g Kohlenhydrate hat und mehr Gemüse auf dem Teller ist – dadurch haben wir seltener Unterzuckerungen ( 1-2 pro Woche)
  • Wir achten auf eine Ernährung mit hochwertigen Fetten: vor allem Omega-3-Fettsäuren (unser Sohn ist seitdem viel konzentrierter)
  • Sport beeinflusst den Blutzucker positiv
  • Die Spätmalzeit vor dem Schlafengehen lassen wir weg, da das gleichzeitige Spritzen von Basalinsulin für die Nacht zusammen mit dem Mahlzeiteninsulin fast immer zu Unterzuckerungen in der Nacht führten

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunkrankheit. Es gibt noch keinen definitiven Beweis für die Ernährung als Ursache von Autoimmunerkrankungen, aber man ist heute der Meinung, dass eine Glutenunverträglichkeit eine große Rolle spielt, die eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut verursacht.

Bei unserem Sohn wurde tatsächlich eine starke Glutenunverträglichkeit festgestellt, und wir entschieden uns zu einer 40tägigen Diät: einer Darmsanierung mit dem Ziel, diese Unverträglichkeit in den Griff zu bekommen. Selbstverständlich wurden wir hierbei von einem Diabetologen und einer weiteren Ärztin betreut.

Im Krankenhaus erwähnte man damals so nebenbei, dass 5% der Typ 1 Diabetiker eine Zöliakie entwickeln. Mein Sohn wäre mit großer Wahrscheinlichkeit in diese Richtung gesteuert. In Zukunft essen wir weitestgehend glutenfrei.

Die Erfahrungen, die wir gemacht haben würde ich gerne an interessierte Eltern weitergeben. Ich muss dazu sagen, dass unsere Sohn super mitmacht und sehr motiviert ist, Gutes für seine Gesundheit zu tun. Auch er kann nicht gut mit zu hohen Werten z.B. nach Pizza oder Pommes umgehen.

Das heißt nicht, dass er immer verzichten muss, das wäre sicherlich kontraproduktiv. Unsere Regel lautet: In der Woche essen wir nach festen Prinzipien und am Wochenende gönnen wir uns was. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen wie Urlaub, Weihnachten oder Kindergeburtstage. Das ist für ihn absolut in Ordnung. Mein Mann und ich haben die Diät und die Nahrungsumstellung natürlich mitgemacht.

Dies sind ein paar Erfahrungen, die ich als Mutter weitergeben möchte. Wir versuchen, unserem Sohn vieles über eine gesunde Ernährung mit auf den Weg zu geben – und irgendwann entscheidet er selber, wie und ob er diesen Weg weitergehen möchte.

Gast Autor

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3 Comments

  • Sonja 30/01/2018 at 19:17

    Hallo Franziska!
    Omega-3-Öl ist z.B. in Leinsaat oder Leinöl, Walnüssen oder Wlnussöl, fettreichen Kaltwasserfischen (z.B. Lachs), aber auch in Sesam, Quinoa, Mandeln. Wir nehmen auch hochwertige Omega3 Fischöl Kapseln. Es kommt v.a. auf ein gutes Verhältnis von Omega -3- Fetssäuren zu Omega-6-Fettsäuren an (5:1 ist gut). Das verbessert man auf jeden Fall auch damit, wenn man wenig industriell verarbeitete Lebensmittel isst. LG Sonja

    Reply
  • Franziska Harpke 15/01/2018 at 08:42

    Dankeschön für die Tips! Aber wie sieht eine Ernährung mit hochwertigen Fetten, vor allem Omega-3-Fettsäuren aus.

    Liebe Grüße, Franziska

    Reply
    • Kathy 17/01/2018 at 08:00

      Hallo Franziska,
      wir geben Deine Frage gerne an unsere Gastautorin weiter.
      Lg Kathy

      Reply

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