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Manchmal ist es anders, als Mama denkt …

Timo hat nun mittlerweile seit über 5 Jahren Diabetes Typ 1. Wir bekamen die Diagnose kurz nach seinen 3. Geburtstag und er kann sich an seine Vor-Diabetes-Zeit nicht wirklich erinnern. Bis jetzt war ich immer in dem Glauben, dass er sich sehr gut damit arrangiert hat. Er spricht mir gegenüber nicht negativ über seine Krankheit. Eher im Gegenteil. Timo betont bei mir gerne die positiven Seiten die er darin sieht.

Zum Beispiel findet er, das er mit dem ganzen Piksen der Mutigste seiner Klasse ist, alle anderen hätten viel zu viel Angst davor. Für mich als Mama klingt das natürlich super. Ich versuche auch immer schöne Erlebnisse mit Diabetes in Verbindung zu bringen. Und ich achte darauf, dass er Kontakt zu anderen Kindern mit Diabetes hat. Stolz bin ich auch auf seinen Umgang mit der Erkrankung. Er ist schon recht selbstständig und auch im Umgang mit Lebensmitteln sehr verantwortungsvoll und vernünftig. Heimlich naschen gab es bei ihn noch nie. Ich bin sehr stolz auf ihn. Alles läuft perfekt! Dachte ich.

Bei Mama so, bei Papa so – Warum macht Timo solche Unterschiede?

Doch neulich war ich mit meinem Mann bei Freunden zu Besuch und wie so oft kommt irgendwann das Gespräch auf Timos Diabetes. Das Thema spielt nun mal eine sehr große Rolle in unseren Leben. So erzählte ich voller mütterlichen Stolz wie super Timo damit umgeht und damit zurechtkommt. Bis mein Mann dann anmerkte, dass er es eher anders auffassen würde. Da hatte ich schon Fragezeichen über meinen Kopf. In einer ruhigen Minute mussten wir über unsere unterschiedlichen Auffassungen sprechen. So positiv Timo mir gegenüber ist, so negativ bekommt es der Papa ab. “Ich mag mein Diabetes nicht mehr! Der Diabetes soll jetzt weggehen und das blöde Messen will ich sowieso überhaupt nicht mehr!” Das sind die Aussagen, die der Papa von Timo immer wieder zu hören bekommt. Nach ein paar verdrückten Tränen, haben wir lange miteinander gesprochen. Ich grübelte die ganze Zeit was ich meinen Kind gegenüber ausstrahle, dass er sich mir nicht öffnen kann. Sind meine Erwartungen an ihn zu hoch? Höre ich nicht richtig zu? Höre ich nur das, was ich hören will? Als Mama wünsche ich mir natürlich, dass mein Kind mit seinen Ängsten und Sorgen zu mir kommt. Ich bekam Zweifel an mir und auch ein wenig Angst, Angst was verkehrt zu machen.

Ich bekam dann aber die Gelegenheit mich an einen Psychologen zu wenden, um mir einen Rat zu holen. Ich schilderte unser Elterngespräch und Beobachtungen und war sehr erstaunt über die Antwort: “Timo kennt uns Eltern sehr genau, er spürt das ich als Mama mit diesen negativen Gedanken nicht gut zu rechtkommen würde. Und ehrlich gesagt ist das auch so. Mir würde das Herz brechen und ich wäre zu keiner vernünftigen Antwort fähig. In solchen Situationen bin ich zu nah am Wasser gebaut. Das spürt und weiß er. Sein Papa dagegen kann damit anders umgehen. Und aus diesen Grund bekommt er es jetzt auch ab. Dies sei aus Kindersicht ein ganz normaler Prozess sich sein passendes Ventil zu suchen.” Da muss die Mama auch mit zurecht kommen, denn ich wünsche mir, das sich mein Kind mir in jeder Situation anvertrauen kann.

Ich habe es jetzt für mich so angenommen. Versuche auf seine Zwischentöne zu hören und Stimmungen aufzunehmen. Damit ich ihn in jeder Phase zur Seite stehen und unterstützen kann. Auch, wenn er sich mir nicht immer gleich öffnet.

Mandy

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