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Neulich in der Diabetes-Ambulanz: Wenn Mütter mehr Hilfe brauchen

Neulich in der Diabetes-Ambulanz:

Es war sehr heiß, die Türen standen offen, so dass wir vieles ungewollt mitgehört haben. Doch was wir gehört haben, das hat mich zum Nachdenken gebracht.
Vor uns war eine Mutter mit drei kleinen Kindern. Die älteste Tochter (8 Jahre) hat ebenfalls Diabetes (unsere Mädels haben sich über ihre Krankheit ausgetauscht).
Wir mussten leider sehr lange warten, denn das Diabetes Management des Mädchens lief nicht so wie gewünscht. Der Langzeitwert wohl seit langem schon viel zu hoch, der Vater nicht wirklich eine Unterstützung und die Mutter wohl am Ende ihrer Kräfte. Weinend, fast hysterisch schreiend brach es aus der Mutter heraus: “Ich kann nicht mehr! Ich habe das Gefühl ein Versager zu sein. Warum klappt es bei anderen Familien, nur nicht bei uns? Ich bin ganz alleine, keiner Unterstützt mich dabei. Wenn es so weiter geht muss unsere Tochter die Schule verlassen….”

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Leonie war von der ganzen Situation etwas peinlich berührt, so etwas kennt sie von mir nicht. Natürlich läuft bei uns nicht immer alles perfekt. Davon sind wir weit entfernt. Auch ich habe Tage, da könnte ich alles hinschmeißen, weil es nicht so funktioniert wie es soll. Doch bei uns zu Hause wird der Diabetes von Mama und Papa gleichermaßen getragen. Wenn einer mal nicht mehr kann und eine kleine Auszeit braucht, ist der andere da und regelt alles. Doch so selbstverständlich wie bei uns, scheint es leider nicht in jeder Familie zu sein.

In vielen Familien scheint das komplette Diabetes Management des Kindes allein auf den Schultern der Mütter zu lasten. Diese Gesprächsfetzen zeigen mir, dass zu wenig Unterstützung für die Familien und vor allem die Mütter gibt. Neben dem Familienalltag ein chronisch krankes Kind zu betreuen, die doch hohe Verantwortung zu tragen, wird selten honoriert.  Sätze wie: “Ach, die stellt sich wieder an!” oder “Was sie nur hat, mit Diabetes kann man heute doch gut leben” zeigen die fehlende Empathie in der Gesellschaft.

Doch wo können Mütter Hilfe bekommen, wenn Sie am Diabetes Alltag verzweifeln? Wenn sie im Hamsterrad stecken und nicht mehr herauskommen? Wenn ein “Burn-out” droht?
Ehrlich gesagt, gibt es nicht wirklich viel, was ich dazu herausgefunden habe.

Es gibt die Möglichkeit:

  • einer Mutter-Kind-Kur. Doch, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, eine Erholung ist mit einem Diabetes Kind nicht immer garantiert.
  • eine Diabetes Nanny beim Diabetes-Doc zu beantragen. Sie kommt für eine bestimmte Zeit unterstützend in die Familie
  • eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, uns sich mit anderen betroffenen Eltern austauschen. (Wenn es eine Elterngruppe in der Nähe gibt)
  • Des Eltern Sorgen-Telefons von Diabetes DE (Hier steht Euch an festen Terminen eine Diabetesberaterin telefonisch zur Verfügung)

Das war’s dann auch schon, was ich gefunden habe. Nicht wirklich viel. Aber vielleicht für den einen oder anderen eine kleine Hilfestellung.

Mir persönlich hilft ungemein der Austausch mit anderen betroffenen Müttern. Ich bin in keiner Selbsthilfegruppe, doch ich habe mittlerweile einige andere Mütter mit Diabetes Kids in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Mit diesen Müttern kann ich mich offen und ehrlich über meine Sorgen und Nöte bezüglich der Diabetes Erkrankung austauschen. Das hilft mir ungemein. Und ich habe gelernt mir auch mal eine kleine “Auszeit” zu gönnen oder Freiräume zu schaffen. Sei es auch nur ein Abendessen mit Freundinnen oder ein einsamer Strandspaziergang im Ostseeurlaub. Doch ich weiß auch, dass das nur funktioniert, wenn der Ehepartner und die Familie ihren Beitrag dazu beisteuern.
Ohne diese Zeiten für mich, wüsste ich neben Job, Familie und Diabetes wahrscheinlich auch nicht mehr wo mir der Kopf stehen würde.

Ich ziehe deshalb vor allen Müttern meinen Hut, die warum auch immer, die Diabetes Typ 1 Erkrankung ihres Kindes alleine tragen. Sei es, weil sie Alleinerziehend sind oder die familiäre Unterstützung fehlt. Ich weiß wieviel Kraft diese Krankheit kosten kann, deshalb möchte ich allen betroffenen Müttern sagen: Ihr seid Spitze! Ihr leistet jeden Tag Großes. Vergesst das bitte nicht.

 

Solltet Ihr weitere Unterstützungsmöglichkeiten kennen, so schreibt sie doch bitte in die Kommentare unter diesen Beitrag. Ich würde mich sehr freuen.

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy
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7 Comments

  • Thomas Hildebrandt 23/09/2015 at 09:18

    Mich bedrückt es, wenn ich sowas lese. Ich kann es nicht verstehen, wie man Vater sein kann und sich dann ein “Scheiss” um sein Kind kümmert. Spass haben, poppen und den Rest kann dann die Frau machen?
    Ich glaube, ich würde explodieren und dem Hernn der Schöpfung mal verbal kräftig in den verlängerten Rücken treten, aber ich bin nicht in so einer Situation. Ich bin männlich, 58 Jahre und wir haben keiner Kinder, nur Diabetes (mit ICT), die hab ich auch und würde ich am gleichen Ort wohnen, würde ich gern helfen.
    Ich wohne in Stuttgart und ich hab mal geschaut, aus Eigeninteresse, was es denn für mich so an Gruppen zum Thema Diabetes gibt und bemerkt, das es da für Erwachsene in meinen Alter gar nicht so viel ist, wo doch jeder 10. in Deutschland betroffen sein soll.
    Allerdings habe ich auf Anhieb zwei Vereine für Diabetes Kids / Mütter gefunden und ich denke mir, sowas gibt es bestimmt auch in einer Kleinstadt.
    Meistens kann man im Rathaus irgendwo nachfragen, was es für Vereine in der Stadt gibt, vielleicht findet sich ja was.
    Eine andere Möglichkeit ist es z.B. sich einer Vereinigung wie dem Deutschen Diabetiker Bund, DiabetesDe oder ähnlichem anzuschliessen (Mitgliedschaft) und darüber Kontakt zu entsprechenden Müttergruppen in der jeweiligen Nähe zufinden.
    Und dann fällt mir da noch eine Anzeige ein. In fast allen Orten gibt es ein Gemeindeblättchen, von der Gemeinde als solches oder von einer kirchlichen Organisation. Hilfesuchende können da meist kostenlos eine Kleinanzeige aufgeben und man kann dort quasi direkt vor Ort nach einer Mutter in ähnlicher Situation suchen, die vielleicht bereit ist, etwas Zeit zu opfern und ihre Erfahrung mit ihrem diabetischen Kind weiter zu geben und zu unterstützen.
    Manchmal gibt es auch in Supermärkten so Anzeigebretter an der man so etwas auch mal pinnen kann.
    Meine Grossmutter hat immer gesagt, wenn Moses nicht zum Berg kommt, dann muss der Berg halt zu Moses kommen. Alle Möglichkeiten ausschöpfen, dann müsste sich doch jemand finden lassern.

    Reply
  • Ute 22/09/2015 at 22:29

    Die Kommentare sind sehr erschreckend, ich würde mich sehr freuen helfen zu können. Aus meiner eigenen Erfahrungen weiß ich, wie Sie sich fühlen. Ich habe selbst Diabetes und einen Diabetikerwarnhund. Meine Erfahrung gebe ich Ihnen gerne weiter. Gerne dürfen Sie mich diesbezüglich kontaktieren.

    Reply
  • Claudia 18/09/2015 at 23:07

    Hej!
    Ein wirklich ernstes Thema! Gerade für die erste Zeit ist es so wichtig Unterstützung zu haben, wenn das soziale Netzwerk noch nicht eingeweiht ist und funktioniert. Ich habe das große Glück außer meinem Mann auch eine 17jährige Tochter zu haben, die auf unsere elfjährige abends aufpasst, wenn wir mal weg wollen. Eine Alternative wäre da aber auch, ein großes Mädchen/Junge mit Typ 1 die kurzfristig einspringen könnten. Wenn man viel mit anderen kommuniziert, dann bekommt man ja doch immer mehr mit, dass wir gar nicht alleine mit Typ 1 da stehen.

    An der Klinik in Itzehoe / Schleswig-Holstein in der wir betreut werden, gibt es auch die Möglichkeit eine Psychologin aufzusuchen. Das hat mir sehr geholfen, als ich mich vor der Skifreizeit, die meine Tochter unbedingt mitmachen wollte und an der mein Mann nicht teilnehmen konnte… völlig überfordert fühlte. Auch bei anderen Problemen haben wir schon gemeinsame Lösungsstrategien ausgearbeitet.

    Liebe Grüße vom Deich
    Claudia

    Reply
  • Danny Kestig 18/09/2015 at 20:15

    hallo, wirklich wahr geschrieben. manchmal ist es ein kreuz, alles unter einen hut zu bekommen…. ich habe gott sei dank auch einen mann, der mit mir die sorge um unseren sohn (8Jahr, seit 7 jahren diabetes) mit mir teilt….
    zu den eben genannten hilfsmöglichkeiten kann ich nur noch hinzu fügen, dass trotz schlechtem ruf, das jugendamt in frage käme, oder eine psychosoziale beratungsstelle….ich weiß, das ist auch mit viel aufwand verbunden, da man ja den diabetes erst erklären muss. aber wenn ich so ganz allein wäre und nicht mehr könnte, würde ich auch diese stellen in betracht ziehen. Und du hast die diabetespaten auf diabeteskids.de vergessen. dort kann man sich doch auch rat holen…..
    ich hoffe, die familie findet die notwendige unterstützung!!!!
    auch ich ziehe meinen hut vor den familien, in denen die mama alles allein managen muss. das ist ich wünsche all den mamas die allein sind, viel kraft, durchhaltevermögen und eine menge humor!!!! weil damit geht es etwas leichter…..

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  • Marquardt Diana 18/09/2015 at 19:50

    Hallo Kathy,

    Ich bin seit einiger Zeit begeisterte Leserin eures Blogs. Mein achtjährige Sohn namens Timo 🙂 hat ebenfalls seit sechs Jahren Diabetes. Es ist nicht immer leicht. Dein diesmaliger Blog hat mich besonders getroffen. Positiv.
    Andere Unterstützungen, als die die du bereits aufgelistet hast, kenne ich leider auch nicht. Aber ich wollte mal einfach danke sagen für deinen letzten Absatz. Ich stehe allein mit dem Diabetes da, da ich seit einem Jahr allein erziehend bin und es ist wirklich nicht immer einfach und perfekt schon gar nicht. Da tut so ein Satz, wenn auch “nur” in so einem Blog, einfach mal gut. Weil man weiß, daß auf der anderen Seite Schreiberinnen sitzen, denen es ähnlich geht wie mir.
    Vielen Dank und macht weiter so. Es tut gut, zu wissen und zu lesen, daß es anderen auch so geht wie uns.

    Reply
    • mandy 19/09/2015 at 13:40

      Hallo Diana , es ist schön zu hören das wir mit unseren “Geschreibe” doch so helfen können . Liebe Grüße von der Timo Mama Mandy

      Reply
    • Kathy 23/09/2015 at 20:21

      Hallo Diana, endlich komme ich dazu, Dir zu antworten. Ich denke, unsere Situation, unsere Ängste, unsere Sorgen können nur wir betroffene Mütter so richtig verstehen. Ich weiß wie sehr uns alle die Krankheit an unsere Grenzen bringen kann und wohl noch mehr, wenn man damit alleine da steht.
      Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du immer die Kraft hast, alles zu managen.
      Liebe Grüße Kathy

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