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Heimliches Naschen – oder leere Verpackungen in der Sockenschublade

Vor ein paar Tagen habe ich sieben (7 !) leere Gummibärchentüten in Leonies Schulranzen entdeckt. Hmm, ich konnte mich gar nicht daran erinnern, dass sie in den Tagen zuvor so viele Unterzuckerungen in der Schule hatte. Sicherheitshalber habe ich mal ins Messgerät gespickt und die Werte der vergangenen Tage nochmal überprüft – Dort waren keine Unterzuckerungen gespeichert. Wie kommen also diese leeren Tütchen in ihren Ranzen? Ich habe wohl bemerkt, dass sie in den Tagen zuvor immer wieder unerklärlich hohe Blutzuckerwerte vor dem Mittagessen hatte. Und das, obwohl sie in der zweiten Pause ihr Pausenbrot nicht gegessen hat. Jetzt weiß ich, sie hat stattdessen lieber eine Tüte Gummibärchen OHNE Bolus vernascht.

Natürlich habe ich sie jeden Tag darauf angesprochen, woher ihre hohen Werte stammen könnten. Ihre Antwort war nur ein leichtes Schulterzucken und “keine Ahnung”.  Auch auf die Frage, woher die vielen leeren Verpackungen stammen, konnte sie mir nicht gleich Antworten. Dann kam die Erklärung, sie hätte sich zittrig gefühlt und zur Vorsorge mal ein paar Gummibärchen gegessen, anstatt ein Pausenbrot. Ohne vorher zu messen, ob wirklich eine Unterzuckerung vorliegt. Bei uns gibt es aber eine klare Regel: In der Schule wird immer der Blutzucker gemessen, und das gilt besonders, wenn sie sich unwohl oder unterzuckert fühlt.

Heimlich naschen die Zweite

Das war aber leider erst der Anfang. Am Abend haben wir dann noch diverse leere Süßigkeitenverpackungen in ihrem Zimmer gefunden. Alles war gut versteckt wie beispielsweise unter dem Bett, hinter dem Nachtkästchen oder in der Sockenschublade. Damit konfrontiert erhielten wir als Antwort nur: “Das haben alles meine Freunde gegessen.” An der Nasenspitze konnte ich ihr ablesen, dass diese Antwort gelogen war. Irgendwann kam dann wieder ihre Erklärung, sie habe sich halt zittrig gefühlt und was dagegen gegessen. Wieder ohne vorher oder kurz darauf ihren Blutzucker zu überprüfen.

Aller unguten Dinge sind Drei

Und dann, ein paar Tage später, hat sie gemeinsam mit ihrer Freundin Lara wieder heimlich genascht. Diesmal aber bei Lara zuhause. Ich war wirklich darüber etwas schockiert. Hatten wir uns nicht ein paar Tage zuvor den Mund fusselig geredet und hatte sie uns nicht versprochen, dass es nicht mehr vorkommt. Was sollte ich also dazu noch sagen. Ich konnte das alles gar nicht glauben. Warum macht sie sowas? Es ist ja nicht so, dass Leonie zu Hause nichts Süßes zwischendurch bekommt. Selbst Gummibärchen sind bei uns auch mal einfach so drin. Deshalb habe ich das ganze Verhalten überhaupt nicht verstanden. Ich wusste auch gar nicht, wie ich darauf richtig reagieren sollte?

Wir haben also nochmal mit ihr darüber gesprochen. Haben ihr erklärt, dass das so nicht geht. Und ein paar Konsequenzen eingeführt. In der Schule gibt es erstmal keine Gummibärchen als Hypohelfer. Traubenzucker  und Saft helfen genauso. Und viele Süßigkeiten sind erstmal nicht mehr frei zugänglich, in der Speisekammer, sondern erstmal verwahrt im Küchenschrank. Ach ja, Traubenzucker liegt bei uns immer griffbereit aus, so dass sie bei einer Unterzuckerung schnell Abhilfe schaffen kann.

Als Mutter habe ich mich in diesen Momenten sehr geärgert. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum sie das gemacht hat. Eine richtige Erklärung dafür haben wir bis heute nicht bekommen. Ich weiß auch, dass Kinder häufig impulsiv handeln und über ihr Handeln dann gar nicht richtig nachdenken. Aber sie wusste auch, dass es nicht richtig war, sonst hätte sie die leeren Verpackungen nicht so kreativ versteckt.

Aber Toi Toi Toi ist bis heute ist es nicht mehr vorgekommen. Jedenfalls nehme ich das an, außer sie hat nun neue, bessere Verstecke gefunden.

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy
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3 Comments

  • Kathy 27/07/2015 at 19:33

    Hallo Anne,
    Vielen Dank für Deinen Kommentar. Als Selbstbetroffene kannst du dich wohl eher in das Geschehen hineinversetzen. Als Mutter steht man erstmal nur hilflos vor der Situation. Deshalb bin ich sehr froh, auch über deinen Kommentar. Er zeigt mir, dass es einfach dazu gehört und nicht immer alles nach Plan laufen wird. Danke dir. Grüße Kathy

    Reply
  • Sarah 23/07/2015 at 10:20

    Ich kann aus eigener Erfahrung reden dass ich das damals auch gemacht habe. Ich glaube, wenn man von klein an Diabetes hat, und auch wenn es gegen jede Vernunft ist, sind die meisten mal an diesem Punkt. Bei mir war es damals einfach so, dass ich genau wie die anderen, meine nicht-diabetiker Freunde einfach direkt was naschen wollte, ohne zusätzlichen aufwand, ohne drüber nachdenken zu müssen. Wenn ich jetzt drüber nachdenke war es zwar nicht richtig was ich gemacht habe, aber ich kann es irgendwo immernoch nachvollziehen. So auch Leonies verhalten. Sie scheint ja sehr gut zu wissen, dass ihr Verhalten falsch ist, bei so kreativen verstecken 😉
    Irgendwann hab ich sogar einfach so weil ich naschen wollte traubenzucker im Unterricht genascht. Einfach weil ich nicht drüber nachdenken wollte und vermutlich weil man die Konsequenzen nicht einschätzen kann. Vielleicht kommt meine heutige Abneigung ja daher 😀 es folgt ein etwas hoher zucker, aber für leonie ists vermutlich nicht dramatisch, weil sie nach hause kommt und “Mama es immer in den Griff bekommt” – alles gut…meint sie zumindest 😀
    irgendwann hört diese Phase aber hoffentlich wieder auf. Heute zumindest berechne ich das was ich nasche auch wieder…
    Soviel zu meinen damaligen Intentionen.
    Aber das kriegt ihr auch wieder hin ! 🙂
    Liebe Grüsse
    Sarah

    Reply
    • Kathy 27/07/2015 at 19:30

      Hallo Sarah,
      Danke für deinen lieben Kommentar. Ich denke, dass wir wohl im Laufe der Zeit immer wieder mal vorkommen. Im ersten Moment ist man einfach nur etwas platt und überfordert und versteht nicht, warum das Kind sowas macht. Aber sie muss sich ja auch an so viele Spielregeln halten, dass sie wohl ab und zu davon mal ausbrechen will. Aber Kommentare wie Deine helfen mir auch dabei, dass ganze besser zu verstehen. Danke dafür.
      Bis Bald.
      Kathy

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