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Diabetes Zeitrechnung – VOR und NACH der Diagnose

Im November 2012, meine Tochter war gerade 5 1/2 Jahre alt, trat der Diabetes Typ 1 von heute auf morgen in unser Leben. Und wurde ein fester (nicht immer geliebter, aber mittlerweile akzeptierter) Bestandteil ihres und unseres Lebens.

VOR der Diagnose

Für ihre 5 1/2 Jahre war unsere Tochter damals schon sehr selbstständig. Bei vielen Dingen wie Besuche bei Freunden, Ballettunterricht wollte sie mich einfach schon nicht mehr dabei haben.
Ihr Leben VOR der Diagnose war für sie so frei, wie es für eine 5 jährige angemessen war. Es war ein langer Weg diese Selbstständigkeit nach und nach aufzubauen.

Nach der Diagnose

Doch dann kam der Tag der Manifestation und unsere Tochter musste sich auf einmal wieder daran gewöhnen, das viele Dinge, die sie bis dato alleine machen durfte, wieder mit Mama im Schlepptau gemacht werden mussten. So mussten in der Anfangszeit die Freunde immer zu uns nach Hause kommen, bis ich einschätzen konnte, wie ihr Blutzucker beim Spielen und Toben reagiert. Bei Kindergeburtstagen war auf einmal die Mama immer wieder da und hat das Essen berechnet und auch im Ballettunterricht saß ich wieder brav im Warteraum und habe in der Pause ihren Blutzucker kontrolliert. Alles was wir uns gemeinsam an ihrer Selbstständigkeit erarbeitet haben, wurde erstmal wieder auf irgendwann in naher Zukunft verschoben.
Nicht nur für uns als Eltern war es ein herber Einschnitt, nein auch unsere Tochter hat den Zeitpunkt der Krankheit sehr intensiv und als sehr einschneidend miterlebt.

Erlebtes vergleichen mit VOR der Diagnose?

Da ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass es in ihrer persönlichen Zeitrechnung ein Leben VOR und NACH (MIT) dem Diabetes gibt.
Sätze wie “Mama, weißt du noch als ich noch keinen Diabetes hatte, da …” oder “Vor dem Diabetes, da …” sind bei uns keine Seltenheit. Gerade besondere Ereignisse wie Urlaube, Geburtstage oder auch Weihnachten existieren bei ihr ausschließlich in dieser Zeitrechnung. “Mama, die Urlaube VOR meinem Diabetes waren schöner, da musste ich nicht immer die Pumpe beim Schwimmen ab und an machen.” Oder “Die Sommerferien VOR dem Diabetes waren toller, da konnte ich einfach so bei meinen Freunden ins Planschbecken hüpfen und einfach so beim Grillen mitessen“.

Noch nutzt sie vermehrt die Sätze mit VOR dem Diabetes, obwohl sie mittlerweile viel von ihrer Selbstständigkeit (auch mit mit Krankheit) zurückgewonnen hat. Sie geht wieder alleine auf Geburtstagsfeiern, zu ihren Freunden nach Hause, in ihre Yogastunde und und und. Doch ab und an nimmt sie einfach die Einschränkungen, die die Krankheit mit sich bringt als sehr einschneidend wahr.
So fielen schon Yogastunden ins Wasser, weil sie zu hohe Blutzuckerwerte und Ketone hatte. Sie musste ihren Besuch bei Freunden abbrechen, weil die Insulinpumpe verstopft war. Es kommt nicht oft vor, doch hin und wieder erlebt sie diese, für sie extrem nervigen Momente. Wer mag es ihr da verdenken, dass sie sich manchmal die Zeit von VOR der Diagnose herbeisehnt, in der sie noch nicht so viel beachten musste, sie keinen ständigen Begleiter hatte, auf den immer Rücksicht genommen werden muss.

Man hat mir zwar immer wieder gesagt, sie wird mit der Krankheit aufwachsen, für sie wird es ganz normal sein Diabetes Typ 1 zu haben. Aber ich bin mir da ab und zu nicht wirklich sicher. Mit ihren 5 1/2 Jahren hat sie doch schon mehr mitbekommen, als wir am Anfang gedacht haben. Ich hoffe sehr, dass sich das eines Tages legen wird. Und sie dann von mehr tollen Ereignisses und Erlebnisses aus der Zeit NACH der Diagnose berichten wird.

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

2 Comments

  • Kerstin 31/03/2015 at 15:44

    Mein Sohn war bei der Diagnose 5 Jahre und 3 Monate. Er ist jetzt gerade 6 Jahre geworden. Für ihn gibt es keine Zeitrechnung vor und nach dem Diabetes. Er war vielleicht auch vor der Diagnose noch nicht so selbständig. Deswegen kann ich für uns sagen, dass die Diagnose ihn nicht in seiner Selbständigkeit oder auch in seiner Entwicklung zurückgeworfen hat.
    Ich denke, dass das sehr individuell verschieden ist, wie Kinder damit umgehen.
    Übrigens finde ich diese Seite toll. Macht weiter so!

    Reply
  • Teresa 31/03/2015 at 07:12

    Meine Tochter war fast 12, als die Diagnose gestellt wurde. Ich bin dankbar, dass sie wenigstens eine unbelastete Kindheit hatte mit vielen Freiheiten und denke oft mit Wehmut an diese Zeit zurück. Diabetes in der Pubertät zu bekommen ist auch eine große Herausforderung. Zu den hormonellen Schwankungen kommen eben auch noch die Stimmungsschwankungen durch schwer einstellbaren Blutzucker. Verbunden mit Einschränkungen, Sorgen der Eltern und traurigen Erlebnissen wie Ketoazidose am Geburtstag wird daraus eine oft eine Riesenbelastung. Menschen, die Typ 1 erst als Erwachsene bekommen, haben es da vermutlich deutlich leichter.

    Reply

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