Diabetes Familie zerbricht Diabetes kids

Unsere Familie zerbricht am Diabetes

GASTBEITRAG von Sandra (38), Mama von Lea-Sophie (9)

Unsere Sonnenschein Lea-Sophie war 4 Jahre alt als unsere Familie die Diagnose Diabetes Typ1 bekam. Wir kannten die Krankheit vorher gar nicht, so dass es für uns ein großer Schock war. Alles was uns in den ersten Stunden gesagt wurde gab uns das Gefühl der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Ich erinnere mich genau wie hilflos ich mich fühlte. Meinen Mann ging es genau so. Wir waren in Schockstarre. Durch das Ärzteteam und die Schwestern die uns in allen unterstützten konnte ich mich schnell fangen. Mein Sonnenschein brauchte mich, da funktioniert man als Mama.

Im Krankenhaus

Die Tage im Krankenhaus waren ein tägliches lernen. Nicht nur durch die Schulungen durch den Arzt, nächtelang suchte ich im Internet, um mir so viel Wissen wie möglich aneignen zu können. Auch dieser Blog half mir dabei sehr. Ich wusste mir geht es nicht allein so, es gibt noch Eltern die die gleiche Situation erlebt haben und gut damit im Alltag zurechtkommen. Das gab mir Hoffnung und die Kraft die Aufgabe anzunehmen. In den 2 Wochen im Krankenhaus wurden wir auf unser neues Leben vorbereitet. Da ich stationär mit aufgenommen wurde war ich der Elternteil der am meisten lernte. Schon in dieser Zeit störte mich das mein Mann weniger Interesse oder Mut zeigte. Ich dachte er braucht einfach länger um die Diagnose zu verarbeiten.

Das Familienleben ändert sich

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hieß es das neue Familienleben zu organisieren. Den Kindergarten die neue Situation mitteilen, Lösungen für die Betreuung suchen und finden. Mit der Krankenkasse um Genehmigungen kämpfen und meinen Job und die Betreuung unter einen Hut bringen. Die Zeit raste an mir vorbei. Es war wie eine Endlosschleife, jeden Tag aufs Neue. Wenn ich Aufgaben abgeben wollte, hieß es immer mach Du mal, Du kennst Dich besser aus. Ich hatte das Gefühl ich kämpfe allein.

Alleinkämpferin

Lea-Sophie trägt eine Insulinpumpe und in dem ersten halben Jahr lernte ich alles so, dass ich auch zwischen den Terminen Änderungen vornehmen konnte. Alle Blutzuckerwerte, die Basalraten, alles besprach ich mit meinem Mann. Ich wollte, dass wir beide den gleichen Wissenstand haben, um Lea-Sophie optimal unterstützen zu können. Auch den Katheterwechsel wollte ich von beiden gekonnt wissen. Aber je mehr ich ihn mit einbeziehen wollte, umso mehr blockierte er sich und fand Ausreden. Entweder ich konnte es nicht richtig erklären, so dass er es versteht oder er brachte es nicht übers Herz ihr mit dem Wechseln des Infussionsset weh zu tun. Ich versuchte Verständnis dafür aufbringen aber mich fragt auch niemand, ob ich das alles gern mache. Man tut es, weil es notwendig ist. Um mir viele Gedanken darüber zu machen hatte ich schichtweg keine Zeit, doch ich war innerlich so wütend. So ging es 4 Jahre. Ich habe stillschweigend, ohne zu murren meine Diabetes-Aufgaben erledigte. Mir blieb auch nichts anderes übrig. Hilfe von meinem Mann bekam ich nicht.

Ein Versuch

In einer Rehamaßnahme für Lea-Sophie gab es für uns Eltern auch die Möglichkeit psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. In diesen Gesprächen wurde mir klar, dass es so in unserer Familie und der einseitigen Diabetesverantwortung nicht weitergehen kann. Die Situation reibt mich auf und tut mir nicht gut. Unsere Familie besteht aus beiden Elternteilen und die sollten sich die Aufgaben teilen. An den Besuchstagen versuchte ich bei meinem Mann noch einmal Unterstützung einzufordern, um uns die Verantwortung und die Aufgaben teilen zu können. Doch wieder zu Hause im Alltag habe ich nicht wirklich mehr Unterstützung als vor der Reha erfahren. Es blieb alles beim Alten.

Jahre vergehen, die Liebe auch

Und auch wenn der Alltag durch die Selbstständigkeit meiner Tochter in letzter Zeit leichter für mich geworden ist, so hat diese Zeit Spuren bei mir hinterlassen. Es hat aber nicht nur was hinterlassen, sondern auch genommen. Für mich ist die Liebe vorbei, der Respekt vor dem Partner mit den man sich in Guten wie in Schlechten Zeiten versprochen hat. Die vergangenen Jahre haben mir leider gezeigt, dass ich mich auf meinen Mann in vielen Dingen einfach nicht verlassen kann und er mir in schwierigen Situationen einfach keine Hilfe und Stütze ist. Und so sehe ich in der Zukunft wohl nur den Ausweg mich von meinem Mann zu trennen. Unsere Familie ist an der Diagnose Diabetes Typ 1 zerbrochen.

 

 

Gast Autor

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1 Comment

  • Birte Buhk 15/02/2018 at 14:38

    Hallo Sandra,
    ich kann so gut nachvollziehen, wie es Dir geht! Meine Tochter ist auch neun und hat die Diagnose Diabetes kurz vor ihrer Einschulung vor knapp drei Jahren bekommen. Mein Mann kümmert sich ebenfalls um nichts – es sei denn, ich bin tatsächlich mal nicht da; und dann macht er logischerweise viele Fehler… Den Katheter für die Insulinpumpe habe ich in der ganzen Zeit ebenfalls alleine gewechselt. Er hat mal einen einzigen Versuch gestartet, Lini dabei total weh getan, ohne dass der Katheter hinterher lag (!) und seitdem lässt sie auch niemanden mehr ran als mich…
    Ich spiele auch schon seit längerem mit dem Gedanken, die Ehe zu beenden, scheue mich aber wegen der Kinder, diesen letzten Schritt zu gehen… Eigentlich besteht sie schon lange nur noch auf dem Papier.
    Wenn Du diesen Schritt gehen solltest, finde ich es sehr mutig von Dir!
    Ganz liebe Grüße von Birte

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