Unsere ersten Schritte mit der neuen Insulinpumpe Omnipod

Direkt nach der Diagnose Diabetes Typ 1 vor fast 5 Jahren bekam unsere Tochter ihre erste Insulinpumpe. Wir die meisten Eltern waren wir damals sehr unerfahren, ja sogar ziemlich überfordert, als es um die Wahl der Insulinpumpe für unsere Tochter ging. Wir hatten uns damals aus dem Bauch heraus für die Accu-Chek Combo entschieden und hatten die Entscheidung nie wirklich bereut.

Doch unsere Tochter wird älter und irgendwie fing der Schlauch der Insulinpumpe sie einfach zu stören an. Er war ihr lästig und ihr größter Wunsch, war der Omnipod. Nach einigem Hin und Her und Telefonaten mit der Krankenkasse durften wir dann endlich auf den langersehnten Omnipod wechseln.

Die Übergabe des Omnipod

Nach der Genehmigung durch unsere Krankenkasse, hat sich nach einigen Tagen der Außendienstmitarbeiter von Ypsomed mit uns in Verbindung gesetzt und einen “Übergabe” und Einweisungstermin ausgemacht. An diesem Abend wurde uns der Omnipod, seine Funktionsweise, das Setzen und vieles mehr gezeigt. Die Basalrate und KE Faktoren haben wir eins zu eins von unserer bisherigen Insulinpumpe übernommen. Leider durften wir den Bolusrechner nicht mit dem Außendienstmitarbeiter am Omnipod einstellen, sondern mussten dazu noch einen extra Termin in unserer Diabetes-Ambulanz wahrnehmen. Was wir und vor allem unsere Tochter sehr schade fanden, da sie so schnell wie möglich auf den Omnipod wechseln wollte. Doch ohne Bolusrechner für die Schule, mussten wir also auf den Termin warten. Und so hatten wir den langersehnten Pod zwar endlich zu Hause, konnten ihn aber leider noch nicht nutzen. Irgendwie, wie wenn man einem Hund einen Knochen vor die Schnauze hält und er bekommt ihn erst nach ein paar Tagen. Wir mussten uns also noch ein paar Tage gedulden. Doch dann war es endlich soweit.

Endlich wieder frei!

Unsere Tochter war an dem Nachmittag schon richtig nervös und aufgeregt. Sie hat sich so sehr auf diesen Tag gefreut. Und als wir dann den Pod gemeinsam mit unserer Ambulanz gesetzt hatten und der mittlerweile sehr ungeliebte Bauchgurt samt Tasche abgenommen wurde, fühlte sie sich nach über 4 1/2 Jahren endlich wieder frei.

Singend und tanzend ist sie den ganzen restlichen Tag durchs Haus und war einfach nur glücklich.

Die Entscheidung für den Omnipod – bis jetzt nicht berreut

Die letzten Monate haben uns gezeigt, dass der Wechsel zum Omnipod für unsere Tochter genau das Richtige war. Sie kommt mit dem Omnipod sehr gut zurecht. Das Bedienen, Befüllen und Setzen klappt mittlerweile von ganz alleine und ist wirklich ein Kinderspiel. Wenn ich da an die viele verbrachten Minuten denke, in denen wir die Luftblasen aus dem Lüranschluss geklopft hatten, auch Mitten in der Nacht. Das gehört jetzt der Vergangenheit an.

Probleme hatten wir vor allem auch im Sommer, beim Schwimmen. Durch das Abkoppeln der Insulinpumpe hatten wir ein paar Stunden nach dem Schwimmen immer mit hohen Blutzuckerwerten zu kämpfen. Dieses Problem hat sich bei uns durch den Omnipod erledigt. Zwar habe ich schon gelesen, dass bei einigen der Pod sich nach dem Schwimmen gerne ablöst, doch bei uns hält er bis jetzt (Toi Toi Toi) bombenfest.

Die wohl größte Umstellung für uns war das Berechnen der Lebensmittel, da wir nun nicht mehr KE sondern die Kohlenhydrate in die Insulinpumpe eingeben müssen. Aber auch hier sind wir sehr schnell reingekommen. Was früher 2,5 KE waren sind nun 25 Kohlenhydrate. Allerdings musste ich schon immer schlucken, bevor ich 25 oder gar 50 Kohlenhydrate abgegeben habe.

Der Omnipod für Kinder geeignet?

Ich werde oft angeschrieben, ob der Omnipod für Kinder geeignet ist? Pauschal kann ich die Frage nicht mit ja oder nein beantworten. Es hängt vom jeden Kind individuell ab. Für uns war der Wechsel im Moment die richtige Wahl und wir würden sie wohl immer wieder treffen. Vor allem, wenn wir sehen, wie unsere Tochter mit dem Omnipod zurechtkommt und wie frei und normal sie sich wieder damit fühlt.

Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist die Ablehnung mancher Kinderdiabetologen bezügl. des Omnipods. Da wird davon gesprochen, dass die Technik nicht ausgereift wäre oder das der Service zu schlecht wäre, etc. Alles Dinge, dich ich persönlich so nicht sehe. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, auf den Omnipod zu wechseln, sprecht einfach mit ein paar mehr Diabetologen. Holt Euch eine zweite Meinung ein. Sprecht mit anderen Eltern und besorgt Euch einen Dummy, um das System mit Euren Kids zu testen. Dann werdet ihr sicherlich zur richtigen Entscheidung für Euer Kind kommen.

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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2 Kommentare

  • Flugsvin 16/08/2017 at 21:18

    Es freut mich dass ihr so gut mit dem OmniPod klar kommt! Er ist meine erste pumpe gewesen, und war auch damals die einzige, die ich mir vorstellen konnte. Mittlerweile sehe ich das etwas relativer, u.a. Auch weil ich immer wieder Probleme mit schmerzenden oder entzündeten Katheterstellen habe, die einfach nach 4/5 monaten auftraten. Solange sich das in grenzen hält, kann ich damit leben, nur wäre die einzige Alternative eine andere Pumpe. Genau das war einer der Punkte, die mir mein Kinderdiabetologe vorgehalten hat, verständlicherweise im Rücklick. Trotzdem kann ich auch nur bestätigen, dass es kein leichtes war meinen Arzt zu überzeugen. Sei anderes Argument war die hohe Ungenauigkeit des Pods, der mit 20% deutlich höher ist als bei Schlauchpumpen (3-4%), und die schlechter zu kalkulieren sei wg der Tatsache, dass die Pumpe an sich ja alle 3 Tage gewechselt wird. Aber auch da dachte und denk ich auch immer noch: Einfach Ausprobieren!! Jeder ist da unterschiedl sensibel für, und es gibt ja auch viele Menschen die den Omnipod lieben, zu denen würde ich mich auch im großen und ganzen zählen. Ich bin gespannt was ihr für weitere Erfahrungen mit der Pumpe macht! Das wichtigste ist, dass man sich damit wohl fühlt, und dafür nehme ich gerne einige Nachteile& Unannehmlichkeiten in kauf:)

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  • K.D. 01/08/2017 at 16:16

    Meinen Erfahrungen nach ist der Service bei den Leuten von Ypsomed perfekt. Letztes Beispiel Mai 2017: ich habe um 8.00 morgens einen Defekt am Omnipod Steuergerät telefonisch der Hotline gemeldet und bekam 3 Stunden später (!) um 11.00 per Taxi-Kurier ein neues Austauschgerät geliefert – kostenlos. Besser geht nicht. Klare Empfehlung.

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