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Meine 14 Tage mit dem FreeStyle Libre Sensor …

… oder Mama wird auch einmal “geflashed”

Ich habe es getan. Auch zum Unverständnis mancher Mitmenschen. Die mich alle sehr entgeistert bei meiner “Versuchs-Ankündigung” beäugt haben. Meine Neugier war einfach größer. Ich wollte wissen, wie sich so mein Blutzuckerverlauf im Laufe eines Tages verhält. Habe ich auch “Spitzen” nach dem Essen von Gummibärchen oder dem Trinken einer zuckerhaltigen Cola? Habe ich in der Nacht eine schnurgerade Linie? Und wie fühlt sich das Setzen eines Libre Sensors an? Stört der Sensor am Tag oder in der Nacht?
Ihr seht schon. Fragen über Fragen, die ich mir bei meinem Selbstversuch mit dem FreeStyle Libre beantworten konnte und manches hat mich dabei auch richtig überrascht.

Meine 14 Tage, Meine Erfahrungen

Aber ich muss zugeben, ein kleines mulmiges Gefühl vor dem Start der Aktion hatte ich schon. Ich wusste ja nicht, was das Libre mir so offenbaren wird. Was, wenn ich zu hohe Werte für einen gesunden Menschen angezeigt bekomme? Aber meine Neugier war einfach größer als jeder doofe Gedanke und somit konnte das 14 Tage Experiment beginnen.

Am Tag als wir den Sensor setzten, warnte mich meine Tochter schon mal vor mit dem Worten: “Mama, ich sage dir noch eines, es wird nicht angenehm!” Doch ich muss sagen, ich habe das Setzen überhaupt nicht gespürt. Nicht mal einen kleinen Pieks. Lag wahrscheinlich daran, dass mir meine Tochter die Hand hielt, so wie ich bei ihr sonst tat 🙂

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Kuchenzeit

Langweilige Blutzuckerkurven, trotz Cola und Co.

Ich war gespannt wie ein Flitzebogen auf meine Werte, auf meine Kurven und die erste Stunde bis zum ersten Blutzuckerwert zog sich ganz schön hin. Aber als er dann endlich lief, habe ich gescannt wie ein Weltmeister. Ich habe dann, um meinen Blutzucker auch wirklich vor Herausforderungen zu stellen in diesen 14 Tage nicht immer sehr gesund gegessen und getrunken. Ich wollte einfach sehen, wie sich eine Cola, eine Pizza mit extra Käse, ein Donut mit Zuckerguss, etc. auf meine Blutzuckerkurve auswirken. Ich wollte sehen, ob sich bei mir (ohne Diabetes Typ 1) ebenfalls die berühmten Zuckerspitzen nach dem Essen zeigen, die wir in der Insulintherapie unserer Kinder nur mit dem richtigen Spritz-Ess-Abstand oder der aufwendigen Berechnung von FPE in den Griff bekommen.

Doch ich muss leider gestehen, trotz der vielen essenstechnischen Eskapaden war mein Blutzuckerverlauf äußerste langweilig. Spitzen hatte ich, wenn dann nur sehr gering und immer im Zielbereich. Es gab 1-2 Ausschläge von bis zu 140 mg/dl, die aber auch sehr schnell wieder verschwunden waren.  In der Regel lag beim Blutzucker zwischen 59 mg/dl und bis zu 110 mg/dl direkt nach dem Essen. Ich war besonders verwundert und überrascht darüber, dass ich so viele extrem niedrig Werte hatte. Gerade in der Nacht lag mein Blutzucker im Durchschnitt um die 75 – 85 mg/dl. Unsere Tochter müsste bei diesen Werten geweckt werden, sie müsste was essen und wir müssten die temporäre Basalrate ihrer Insulinpumpe reduzieren.
Doch unser Kinderdiabetologe (er sah sich meine Kurven während unseres Ambulanztermins einmal an) erklärte mir, dass diese niedrigen Werte für gesunde Menschen nichts Außergewöhnliches sind. Und solange man keine Unterzuckersymptome spürt ist das so in Ordnung. Mein Durchschnittswert nach diesen zwei Wochen lag bei 91 mg/dl.

Ach ja, gespürt habe ich den Sensor in diesen 14 Tagen kaum. Nur an den Türrahmen musste ich immer aufpassen. Ich hätte nie gedacht, dass man wirklich so oft an einem Türrahmen hängen bleibt.

Mein Fazit nach den zwei Wochen

Auch wenn vielleicht die einen oder anderen nicht wirklich verstehen können, warum ich den FreeStyle Libre Sensor einmal selbst getragen habe, meine Tochter fand es klasse. Wir haben gemeinsam vor dem Essen oder auch mal zwischendurch gescannt. Wir haben unsere Werte und die Kurven verglichen und ich musste ab Werten von 75 mg/dl auch schon mal einen Traubenzucker auf ihre Ansage essen. Und ich durfte ja nicht meine “Mess-Tasche” zu Hause vergessen. 🙂 Alles in allem war es für mich eine interessante Erfahrung und für meine Tochter war es auch ein klitzekleines Stückchen Gemeinschaftsgefühl mit der Mama. Und darauf kommt es für mich in erster Linie an.

 

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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13 Kommentare

  • Claudia 01/06/2017 at 20:39

    Ich finde es auch klasse. Meine Tochter hat zwar keinen Sensor, aber eine Pumpe. Als sie die aber bekommen hat, hab ich mir auch für 2 Tage einen Stahlkatheter gesetzt, weil ich wissen wollte, wie das Setzen und Tragen ist. War auf alle Fälle eine Erfahrung wert und hilft mir, sie in manchen Situation besser zu verstehen.

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  • Silke 01/06/2017 at 12:50

    Super, Dein Test. Ich würde es auch sofort testen.
    Deine Werte finde ich sehr interessant – wahnsinn was die kleinen Betazellen doch so alles regeln, wenn man keinen Diabetes hat.
    LG Silke

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    • Kathy 01/06/2017 at 16:58

      Hallo Silke,

      vielen Dank. Ja, man merkt erst wie wichtig jede kleinste Zelle in unserem Körper ist, wenn eine davon nicht mehr funktioniert.
      LG
      Kathy

      Reply
  • K.D. 01/06/2017 at 12:04

    Toll geschrieben. Erfrischend & informativ. Bin selber Typ 1 und halte mit dem Libre meinen Durchschnittswert bei 97mg/dl. Alles Gute! 🙂

    Reply
    • Kathy 01/06/2017 at 16:57

      Vielen Dank.
      Und weiterhin gute Blutzuckerwerte – das Libre ist schon sehr hilfreich
      LG Kathy

      Reply
  • Nancy 01/06/2017 at 10:24

    Klasse Aktion. Wenn ich die Möglichkeit dazu hätte würde ich das auch mal durchziehen. 👍👍👍

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    • Kathy 01/06/2017 at 16:57

      Vielen Dank.
      LG Kathy

      Reply
  • Doris 01/06/2017 at 10:24

    Hallo – danke für deinen bericht. Ich hab auch kürzlich einen selbstversuch gewagt – mit den gleichen ergebnissen. Ich hab mich auch extra ausgepowert beim sport, … es ist schon toll wie unser körper arbeitet.
    Nach 10 tagen hab ich mir den Sensor beim türrahmen herausgerissen 🙁
    Meinem sohn hats auch spass gemacht, mich zu kontrollieren!
    Doris

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    • Kathy 01/06/2017 at 16:56

      Hallo Doris,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich glaube gerade für unsere Kids ist es ein Erlebnis, wenn sie einmal (wenn auch nur für kurze Zeit) nicht die einzigen sind, die Messen müssen 🙂
      LG Kathy

      Reply
  • Bernhard 01/06/2017 at 10:03

    Finde ich sehr interessant den Bericht.

    Reply
    • Kathy 01/06/2017 at 16:55

      Viele Dank.
      LG Kathy

      Reply
  • Ernesto Typ Eins 01/06/2017 at 09:20

    Vielen Dank für den Selbsttest, dass hat mich schon sehr lange einmal interessiert, wie der Verlauf bei einem gesunden Menschen ist. Bevor ich Typ1er war, hat mich der DM ja nicht die Bohne interessiert. Von daher… Ich würde sehr gern die Kurve mal sehen, über 24h. Ist es evt. möglich mal ein Bild hochzuladen? Das die Werte soo niedrig und stabil sein sollen, hätt ich auch nicht geklaubt. Vor allem kein riesen Anstieg nach dem Essen? Sehr interessant. Grüße und Danke Tino

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    • Kathy 01/06/2017 at 16:55

      Hallo Tino,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ich habe leider kein Foto von einer kompletten 24 Stunden Kurve, aber ich habe für Dich mal dieses Bild zusammengestellt. Ein “halber Tag” von 23 Uhr bis 17 Uhr.
      Hier kannst Du sehen, wie so meine Werte in der Regel waren.

      LG Kathy

      Werte Mama testet Libre

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