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Machtkämpfe, Vorpubertät und Diabetes

Unsere Tochter steckt mit ihren 10 Jahren gerade so schön in der Vorpubertät, oder wie ich es nenne, der Vorhölle zur Pubertät. Wir Eltern dürfen schon einmal etwas Pubertätsluft schnuppern und uns ein Bild davon machen, wie sich unsere Leben in der bevorstehenden Pubertät wohl verändern kann. Ich hoffe ja noch immer, dass wir so schön geschmeidig durch diese mitunter schwierige Phase schlittern werden, doch das momentane Verhalten unserer Tochter zeigt wohl eher das Gegenteil.

Machtkämpfe und ich bin die Größte und ihr könnt mir nichts bestimmen, oder so ähnlich

Uns Eltern ist es wichtig, dass unsere Kinder gut mit ihrer Erkrankung durchs Leben gehen. Wir versuchen Ihnen beizubringen, wie wichtig ein gutes Diabetesmanagement für ihre Zukunft ist. Und dass wissen unsere Kids haargenau. Und wenn man es ganz genau nimmt, haben uns unsere Kinder damit auch irgendwie in der Hand. Sie nutzen den Diabetes gerne mal für ihre kleinen Machtspielchen und um uns an unsere Grenzen der Gelassenheit zu bringen. Denn wir reagieren mit ziemlicher Sicherheit in irgendeiner Weise auf ihr Verhalten.

Ein Beispiel gefällig? Nun, unsere Tochter bolt sich 5 KE und hat dann urplötzlich keine Lust mehr auf Essen. Sie hätte eh keinen Hunger gehabt und somit will sie jetzt auch nicht essen. Gegebener Bolus hin oder her. Und außerdem schmeckt das Essen heute auch überhaupt nicht. Ganz schön anstrengend. Mit Engelszungen versuchen wir sie dann zum Essen zu bewegen. Doch wir haben nun folgenden Tipp bekommen: Wir sollen das nächste mal, gar nicht mehr darauf eingehen und wenn, dann sollen wir ihr die Notfallspritze an den Tisch legen und ihr ruhig erklären, dass das ihre Option ist, wenn sie für das “gespritzte” Insulin keine Kohlenhydrate zu sich nimmt. Mal sehen, ob dieser Tipp was bringt. Wir werden in auf alle Fälle beim nächsten “ich haben die Macht beim Essen” ausprobieren.

Stimmungsschwankungen oder heute so und morgen so

Ein weiteres Highlight der Vorpubertät sind die damit verbundenen Stimmungsschwankungen. Von bockig über zickig bis zu “lasst mich in Ruhe!” ist so alles dabei. Nicht, dass wir Stimmungsschwankungen aufgrund der aktuellen Blutzuckerwerte nicht zu genügend kennen würden, nein sie werden durch die Phase der Vorpubertät nur noch verstärkt.
Unsere Tochter reagiert häufig bei hohen Blutzuckerwerten mit einer hohen Weinerlichkeit. Und bei niedrigen Blutzuckerwerten kann sie extrem zickig werden. Und wenn man sie dann in diesem Zustand noch ans Blutzuckermessen erinnert wird, greift die Bockigkeit zusätzlich noch um sich. “Lass mich” ist dabei eines ihrer Lieblingssätze. Ihr ist es oftmals sogar zu viel nur auf ihren Dexcom Empfänger zu blicken, um ihre Werte zu kontrollieren. Alles ist dann einfach zu viel.

Diskussionen, Diskussionen, Diskussionen

Als wenn die ersten beiden Punkte nicht schon genug wären, nein, einen kleinen Punkt setzt das Vorpubertätsmonster noch drauf. Alles muss bis ins kleinste Detail ausdiskutiert werden. Warum sie mit dem Naschen noch etwas warten soll – Diskussion. Warum sie bei 80 mg/dl noch nicht 2 KE Hypohelfer Essen soll – Diskussion. Warum sie keine Korrektur gibt bei 200 mg/dl – Diskussion. Es ist manchmal wirklich schwierig hier die richtige Balance zu finden. Schließlich müssen wir ihren Diabetes und ihr Verhalten im Auge behalten, aber wir müssen dabei auch sehr behutsam vorgehen. Schließlich wollen wir nicht, dass sie sich dem Thema Diabetes in der Pubertät dann einmal verweigern und sich gar nicht mehr um irgendwas kümmern.

Wir stehen gerade erst am Anfang des Kreislaufes Vorpubertät, Pubertät und Diabetes und ich wäre gerne schon mit dem Thema durch. Wenn ich an die recht nahe Zukunft denke, bekomme ich jetzt schon graue Haare, aber, und darauf hoffe ich inständig, wird es ja gar nicht so schlimm, weil uns die Vorpubertät schon auf das Gröbste Vorbereitet hat.

 

 

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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2 Kommentare

  • Beate 09/05/2017 at 19:41

    Hallo Kathy,
    mittlerweile liegt das bei mir alles ein bisschen zurück. Ich denke, das wird noch “schlimmer”. Ich habe zu der Zeit auch manchmal heimlich genascht, einfach um der “Kontrolle” zu entfliehen. Oder falsche Werte eingetragen. Glaube meine Mama würde deinen Beitrag hier voll unterschreiben (ich zeig ihn ihr mal bei Gelegenheit), an die Stimmungsschwankungen bei BZ-Krisen kann sogar ich mich noch ganz genau erinnern. Leonie, dir und Familie alles Liebe, ihr macht das schon. 🙂 Und wenn Leonie Unterstützung/Auskotzen/etc braucht – mittlerweile gibt’s ja die #dedoc 😉
    Viele Grüße, Beate

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    • Kathy 11/05/2017 at 16:21

      Hallo Beate,

      viele Dank für Deinen Kommentar und Deine Vorwarnung auf das was uns vielleicht noch erwartet. 🙂 Die Pubertät ist für alle Kinder/Eltern schwierig, doch mit Diabetes Typ 1 wahrscheinlich sogar noch ein gutes Stück schwieriger. Aber es gibt da wohl nur eines Augen zu und durch 🙂

      LG Kathy

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