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Schulalltag und Abschlussfahrt der Klasse 4 mit 20 furchtbar normalen Kindern!

Gastbeitrag von: Ich heiße Valerie Daheim-Jung, bin selber Mama eines Kindes mit Diabetes Typ 1 und Klassenlehrerin an einer Grundschule

Im Herbst letzten Jahres bekam meine Klasse Zuwachs. Ein neues Kind…ein Kind mit Diabetes Typ 1 und Pumpenträger. Ich habe mich sehr gefreut, einmal, weil Zuwachs immer neue Energie bringt, zum anderen natürlich um auch zu sehen, wie es mit Kindern mit chronischen Erkrankungen im Schulalltag so ist. Aus Mama-Sicht durfte ich schon einige Erfahrungen (positiv wie auch negativ) sammeln. Aber wie ist es eigentlich als Lehrer? Bedauerlicherweise ist es ja noch immer so, dass Kollegen eine gewisse Abwehrhaltung haben. Sei es aus reiner Unwissenheit und mit der verbundenen Angst oder was auch immer. Ich selbst musste innerhalb eines schulischen ERSTE-HILFE-KURSES die Erfahrung machen, dass selbst durch Sanitäter Ängste geschürt werden. UNVERSTÄNDLICH!!!!!!!!!!!! Und ehrlich, es hat mich auf die Palme gebracht!

Trotz meiner Erfahrung als selbst Betroffene ist es tatsächlich doch anders Verantwortung für fremde Kinder zu übernehmen. Aber ehrlich? Kein Problem! Wofür kann man Gespräche führen? Absprachen treffen? Kurz auch mal zwischendurch telefonieren?

Es stellte sich heraus, dass mein Schüler sehr selbstständig und recht sicher war und ist. An das BZ messen oder auch das Mitnehmen der Messtasche wie auch Gummibärchen etc. zum Sport muss zwar erinnert werden, aber auch das spielt sich ein. Nicht zuletzt auch durch seine Mitschüler und die Offenheit der Mama. Seine Mitschüler ließen sich ohne Vorbehalte auf die Situation ein und hielten auch immer ein Auge auf ihn….ganz nebenbei…. Warum können das Kinder und manche Erwachsene nicht????? Mein Pult wurde um eine Küchenwaage und Berechnungstabelle erweitert. Somit war auch das wöchentliche Schulobst oder die Kindergeburtstage keine Einschränkung für ihn…und für mich als Lehrer sowieso nicht.
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Dann kam die Klassenfahrt

Dann kam aber die Zeit der Klassenfahrt. 3 Tage mitten im Wald…Ein Haus mit Selbstverpflegung. Ehrlich? Ich war wirklich aufgeregt. Klappt alles, berechnen wir für ihn richtig, wie ist es nachts, wie reagiert er in der Umgebung, auf Bewegung die über Stunden geht und und und. Ein Treffen mit der Mama brachte dann auch mir wieder etwas mehr Sicherheit. Sie hatte verständlicherweise auch gemischte Gefühle, die ich nur zu gut verstehen kann, aber diese Fahrt sollte ihm ein Stück FREIHEIT, NORMALITÄT, und SELBSTBEWUSSTSEIN bringen.

Montags ging es dann los. 8.00 Uhr…da stand er mit seinem Gepäck und ich dachte nur… was muss wohl jetzt in ihm so vorgehen? Aber los… auf in‘s Abenteuer. Meine Aufgaben lagen darin ihn alle 3 Stunden an das Messen zu erinnern, sein Essen mit ihm abzuwiegen und zu berechnen. Den letzten Wert des Tages sollte ich mit seiner Mama kurz besprechen und da seine Werte nachts stabil sind, war die nächste Messung erst am folgenden Tag nötig. (Ganz nebenbei…ich hätte auch nachts kontrolliert  Auf Klassenfahrten ist Schlaf ziemlich überbewertet.) Und sind wir mal ehrlich, es ist wirklich keine Belastung oder zeitlicher Mehraufwand eben schnell zu telefonieren, eine SMS oder WhatsApp zu senden und sich zur Not Erinnerungen in das Handy einzutippen wenn doch mal Fragen auftauchen.
Ihm ging es gut! Er hat wie alle anderen alles miterlebt, auch ohne dass seine Mama als Begleitperson dabei war. Gelacht, gespielt, getobt, Heimweh gehabt und und und. Und wollen nicht alle Kinder dieses Gefühl?

Appell an meine Lehrerkollegen

Liebe Kollegen, vor allem die, die Bedenken haben. Informiert euch, redet mit den Eltern und verschließt euch nicht. Wovor muss man hier Angst haben? Von Mehraufwand kann auch keine Rede sein…man bringt höchstens MEHR für das Kind. Ich bin traurig darüber, wie viele Kollegen Eltern nicht unterstützen wollen. Überlegt wirklich, was Kindern und deren Eltern emotional angetan wird, wenn man sich selber nicht ein wenig öffnet. Wofür gibt es Fortbildungen, Schulungen und auch Unterrichtsmaterial dazu?

Abschließend kann ich sagen, dass es eine sehr gelungene Abschlussfahrt war. Es hat alles prima funktioniert… auch wenn mal ein UZ dabei war. Ich bin wahnsinnig stolz auf ihn, auch weil er mir sein Vertrauen geschenkt hat! Seine Mama hat sich bei mir für meine Unterstützung bedankt… NEIN, die war SELBSTVERSTÄNDLICH!

 

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6 Kommentare

  • Lehrer 27/02/2017 at 19:38

    Der Beitrag ist nun schon etwas älter, aber vielleicht wird mein Kommentar doch gelesen.

    Ich bin Lehrerin, möchte auf Klassenfahrt fahren, doch bin versucht, das Kind auszuschließen, weil ich von der Mutter keinerlei Informationen bekomme und Angst habe, wenn es zu spät ist eine Mitschuld zu bekommen oder die Notarztrechung zahlen zu dürfen.

    Ich hatte die Mutter gebeten, mir ein Schreiben des Arztes zu besorgen, da sie selbst nicht sagen konnte, um welchen Typ es sich handelt und auch sonst würde sie das Kind nicht medikamentös behandeln, weil sie es selbst durch Ernährungsumstellung (doch das Kind wird im Gegenteil immer dicker) schaffen möchte.

    Hat jemand einen Rat für mich?

    Reply
    • Kathy 02/03/2017 at 14:45

      Hallo Lehrer,

      als Mutter möchte ich natürlich nicht, dass mein Kind wegen dem Diabetes von der Klassenfahrt ausgeschlossen wird. Aber ich kann auch sehr gut deinen Standpunkt verstehen, wenn Du so gar keine Information, Unterstützung von Seiten der Eltern bekommst. Das wichtigste ist immer das Zusammenarbeiten von Lehrer und Eltern. Du benötigst alle wichtigen Informationen, auf was du achten solltest, wie du eine mögliche Unterzuckerung behandeln musst, etc. etc. Was ich persönlich seltsam finde, ist, dass die Mutter nicht weiß, welcher Diabetes Typ Ihr Kind ist. Sollte das Kind Diabetes Typ1 haben, so kann eine nicht Behandlung mit Insulin sehr gefährlich sein.

      Ich würde Dir raten, eventuell nochmal mit den Eltern zu sprechen. Wenn die Mutter nicht weiterhilft, vielleicht kann der Vater helfen? Es gibt auch die Möglichkeit, dass die Eltern mit auf die Klassenfahrt gehen und sich im Hintergrund um den Diabetes des Kindes kümmern. Vielleicht wäre das eine Option.

      LG Kathy

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  • #meibestElternblogbeitragdeMo Juni 2016 | Die Kellerbande mit Herz und Seele 01/07/2016 at 21:24

    […] Kinder mit Typ 1 Diabetes Mama kreativ Motherbirthblog Wheelymum 3fachjungsmami […]

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  • Swantje 19/06/2016 at 10:16

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Hoffentlich ermuntert er viele Lehrer und Lehrerinnen, unseren Diabetes-Kids ein Stück Integration im Schullalltag zu ermöglichen.

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  • Kerstin 17/06/2016 at 16:15

    So toll. Ganz großes Danke schön an Valerie Daheim-Jung. Mir kommen fast die Tränen.
    Wir brauchen mehr von solchen Lehrern!

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  • Ricarda Wehnert 17/06/2016 at 08:30

    Diese Lehrerin ist für jedes Dia- Kind ein Geschenk. Schade das es bei meinem Sohn nicht so funktioniert und ihm vorgehalten wird, dass er seines Diabetes in den Vordergrund stellt. Natürlich reagiert er dann Lehrern gegnüber agressiv und pampig. Das spiegelt sich jetzt in seiner Betragensnote “4” wieder. Aber da steh ich drüber. Leider ist keiner der Lehrer seiner Schule bereit sich über das Thema Diabetes zu informieren bzw. auch nur ansatzweise über eine Schulung nachzudenken. Schade.

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