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Wenn auch der Sohn plötzlich einen Blutzucker von 410 mg/dl hat

Gastbeitrag von Beate, mit Lukas 11 Jahre Diabetes seit Ostern 2016 und Anna-Lena 8 Jahre Diabetes seit 2011

Wir haben zwei Kinder von denen unsere Jüngste 2011 im Alter von 4 Jahren an Diabetes Typ1 erkrankt ist. Wir kommen mit der Krankheit gut zurecht und beide Kinder nutzten ihre Vor- und Nachteile geschickt aus. Lukas der Älteste, naschte schon mal gerne heimlich in der Speisekammer etwas Süßes, wenn seine kleine Schwester gerade nicht durfte oder er bestellte sich zwischendurch mal eine Fanta, während Anna-Lena Wasser trinken “musste”. Wir haben ihm dies auch erlaubt, da er sehr oft auch wegen Anna-Lena zurückstecken mussten. Unser Familienleben mit Anna-Lenas Diabetes hat sich in den letzten vier Jahren eingespielt, wie es so schön heißt.

Wir hatten natürlich immer wieder mal den Gedanken gehabt, dass auch Lukas einmal an Diabetes Typ 1 erkranken könnte. Haben den Gedanken aber immer wieder rasch beiseite geschoben. Allerdings haben wir zwischendurch immer wieder mal seinen Blutzucker gemessen, wenn uns etwas seltsam vorkam. Aber insgeheim haben wir immer gehofft, das Lukas von der Krankheit verschont bleibt.

Unsere Befürchtungen wurden wahr

Doch dieses Jahr direkt vor den Osterfeiertagen waren wir mit Lukas und der Diagnose Diabetes Typ 1 im Krankenhaus. Und ein zweites Mal ist unsere Welt zusammengebrochen. Wir wussten diesmal zwar was auf uns zu kommt, doch zwei Kinder mit dieser Krankheit ist auch für erfahrene Hasen wie uns eine neue Herausforderung.

Lukas zeigte erstmal keine der typischen Symptome wie viel Trinken, auf Toilette gehen, etc. Wir bemerkten zwar eine Veränderung an ihm, aber wir haben das auf die neue Schule (Schulwechsel aufs Gymnasium), neue Freunde, neuer Tagesablauf zugeschrieben. Er war in letzter Zeit zwar häufig unkonzentriert und schlecht gelaunt. Doch jedes Kind brauch erstmal eine Eingewöhnungsphase und wir dachten in ein paar Wochen ist alles wieder vorbei.

Zu Beginn der Osterferien wollten wir eigentlich in den Urlaub fahren. Doch plötzlich von einem Tag auf den anderen begann Lukas beunruhigend viel zu trinken. Nicht einmal eine halbe Stunde konnte er ohne etwas zu trinken sein. Jetzt klingelten unsere Alarmglocken. Wir haben die Messsachen von Anna-Lena genommen und damit Lukas Blutzucker gemessen. Dann der Schock. Das Messgerät zeigte einen Wert von 410 mg/dl. Ich war durch den Wind. Dachte das muss ein Irrtum sein. Haben Lukas nochmal zum Händewaschen geschickt und erneut gemessen. Doch der Wert blieb leider so hoch. Wir haben sofort unsere Diabetesberaterin vom Krankenhaus angerufen und wir haben besprochen, dass wir noch am selben Tag mit Lukas in die Klinik kommen.

Lukas hat nach allen Eingangsuntersuchungen, dann gleich die Insulinpumpe Accu Chek Inside bekommen. Die gleiche wie seine Schwester. Für Lukas war es die ersten Tage sehr schwer, die Krankheit zu akzeptieren. Er weiß welche Einschränkungen es bedeuten kann und er hatte Angst wie seine Klassenkameraden auf die Insulinpumpe reagieren werden. Er war die ersten Tage sehr still. Er wurde viel geschult und auf seine neue Aufgabe vorbereitet. Im Moment hat Lukas immer wieder einmal Phasen in denen er sich gerne alleine in sein Zimmer zurückzieht. Er weiß, dass er immer mit uns sprechen kann. Aber wir geben ihm gerne die Zeit für sich, ohne ihn zu bedrängen. So eine Krankheit muss ja auch erstmal richtig verarbeitet werden. Wie er in Zukunft damit zurecht kommen wird, können wir noch nicht sagen.

Für uns Eltern ist es immer noch ein großer Schock und auch wir müssen erstmal damit zurechtkommen, jetzt zwei Kinder mit Typ 1 Diabetes zu haben. Im Moment ist für uns alles noch so unwirklich, wie in einem schlechten Traum. Wir haben die zwei Wochen Osterferien gut genutzt, um mit Lukas so viel zu üben und reden wie er es zugelassen hat. Auch wenn ich es jetzt noch manchmal nicht glauben kann, aber wir werden auch mit dieser Situation fertig werden. Wir werden wieder in unseren Familienalltag finden und genauso viel Spaß haben wie bisher. Jetzt erst recht!

Gast Autor

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Diabetes Typ 1 betrifft so viele verschiedene Bereiche im Familienleben. Und jede Familie erlebt die Krankheit des Kindes auf ganz individuelle Weise.
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2 Kommentare

  • Swantje 28/05/2016 at 20:04

    Liebe Beate,
    Vielen Dank für deinen Beitrag! Ich wünsche dir und deiner Familie von Herzen alles Gute und viel Kraft für die kommenden Herausforderungen!
    Viele Grüsse, Swantje (Mama eines dreijährigen zuckersüssen Sohnes)

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  • Christina F. 24/05/2016 at 12:03

    Oh,kann das voll nachvollziehen….haben auch zwei Dia Kinder unsere Tochter hat es auch mit 4 bekommen und unser Sohn mit 12 ,er hat/hatte auch starke Schwierigkeiten die Krankheit zu akzeptieren,er möchte auch keine Pumpe,da er Angst hat ,dass es jeder sofort sieht ……

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