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Brauchen unsere Kinder psychologische Unterstützung ?

Mein Sohn hat nur Diabetes. Das ist mein Satz. Für mich gibt bedeutend schlimmere Erkrankungen die ein Kind treffen können. Mit Diabetes Typ 1 kann man ein langes, wunderbares Leben führen. Zu dem man sich nur Insulin zuführen muss. Die kleinen Einschränkungen die einen treffen sind zum Aushalten. Das ist meine Meinung. Es kann natürlich sein das nicht alle so darüber denken.

Belastet Diabetes Typ 1 unsere Kinder ?

Jede Erkrankung oder jeder Begleiter bringt auf seine Art eine Aufgabe mit. Und eine Aufgabe ist ein Stück weit eine Belastung. Diese empfindet jeder anders. Der eine geht leichter damit um, ein anderen fällt es schwerer. Die Frage die ich mir stelle ist, wie belastet es unsere Kinder? Belastet sie es überhaupt? Oder sind dies nur Sorgen, die wir Eltern uns machen?
Unsere Kinder wachsen mit der Diagnose Diabetes Typ1 auf. Bei vielen kam die Diagnose schon recht früh. Für sie ist es ein normaler Zustand, sie kennen es nicht anders. So auch bei meinem Sohn. Er kennt sein Leben nur mit Insulinpumpe und Fingerpicks. Ist es nun für ihn eine Belastung oder eine Selbstverständlichkeit?

Anspannung oder Tick?

Wie ich auf diese Gedanken komme? Ich bemerke bei meinem Sohn einen Tick. Sitzt er entspannt zum Beispiel vor dem Fernseher macht er immer “Mmmhhhh”. Er selber bemerkt es gar nicht. Am Anfang empfand ich es als räuspern. Aber mit der Zeit und genauen hören ist es immer das “Mmmhhhh”. Jetzt frage ich mich, ist es einfach eine Angewohnheit oder ein Ventil? In Gesprächen mit anderen Eltern von Diabetes Kindern, berichten mir diese auch das bei ihrem Diabetes Kindern zu Auffälligkeiten kommt. Es sind Kleinigkeiten, die aber auf eine innere Anspannung deuten. Umso älter unsere Kinder werden, umso mehr Verantwortung lassen wir sie übernehmen. Das finde ich ist der richtige Weg. Empfehlungen von der Diabetologie, sind Richtwerte was wir unseren Diabetes Kids zutrauen können. Da ist jedes Kind individuell. Aber was es in ihnen auslöst wissen wir nicht.

Bin ich Glucke, oder habe ich recht?

Ja, man kann jetzt sagen, dass ich eine Mama bin die sich einfach zu viele Gedanken macht. Auch das ich glucke, oder behüte. Aber für mich wird der Aspekt der psychologischen Belastung in der Therapie bei Kindern einfach nicht beachtet. Es gibt kein Angebot für Diabetes Kids. Keine für Gespräche, keine Spiel- oder Kunst-Therapien zur Verarbeitungen. Nichts. Auch in den Reha Maßnahmen an den wir teilgenommen haben ging es immer nur um die Eltern, nie um die Kinder. Ich frage mich, besteht einfach nicht der Bedarf? Ist kein Psychologe mit Diabetes betraut? Ist das nicht Vorgesehen? Die Kliniken die ich kenne, bieten nichts in die Richtung an. Und das finde ich sehr schade. Ich glaube schon das unsere Diabetes Kindern Hilfe in der Verarbeitung brauchen könnten. Bestimmt wünscht sich nicht jeder, das für sein Kind. Nicht bei jeden ist der Bedarf dazu da. Doch das es so gar nicht vorgesehen ist, oder erst wenn die Therapie gar nicht mehr funktioniert, kann ich nicht verstehen.

Mandy

Mandy

Bereits im Alter von 3 Jahren erkrankte unser Sohn an Diabetes Typ 1. Fast noch ein Kleinkind, hieß es von nun an Pieksen, Messen, Insulin abgeben. In meinen Beiträgen möchte ich zeigen, wie wir alle zusammen mit der Krankheit leben.
Mandy

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5 Kommentare

  • Birgit 16/10/2016 at 10:16

    Meine Tochter ist seit 2 Jahren Diabetikerin Typ1, sie ist jetzt 11 Jahre. Im Krankenhaus hat man uns Psychologische Unterstützung angeboten, ich war auch dort den ein Gespräch war verpflichtet. Meine Tochter allerdings wollte nicht und nachdem Gespräch mit mir meinte auch die Therapeutin das es aus ihrer Sicht nicht Notwendig ist, wir allerdings jederzeit auf sie zurückkommen können falls wir das Gefühl haben Hilfestellung zu benötigen.
    Wir waren bis jetzt nicht mehr dort. Aufgefallen ist mir allerdings das mit dem unbewussten Geräusch auch, sie macht ähnliches ohne das das es von ihr Bewusst wahrgenommen wird.Was leider auch Auffällig wurde das war das sie seit sie Zuckerkrank ist ihre Leistung in Mathe stark abgefallen ist, das begann mit dem Diabetes und es ist auch nicht so das sie nicht alles versteht ( sie ist sehr gut in der Schule) aber sie leidet in diesem Gegenstand seither enorm unter Prüfungsangst. Sie bekommt seit dieser Zeit Nachhilfe und auch Rekki und andere Alternativen versuchen wir zusätzlich. Gibt es vl hier jemanden der ähnliche Erfahrungen bezüglich der Schule gemacht hat? Vl einen Tipp für uns?

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  • Alexa 19/09/2016 at 03:24

    Ich habe diesen Blog durch Zufall entdeckt. Ich bin selbst kein Kind mehr, habe aber seit ich 10 bin Diabetes. Heute bin ich 40.
    Klar waren es früher andere Zeiten, in den Krankenhäusern wussten sie teilweise mit diabetischen Kindern nichts anzufangen.
    Ich finde eine psychologische Unterstützung extrem wichtig. Ich denke wenn ich schon im Kindesalter Unterstützung gehabt hätte, dann hätte ich wahrscheinlich heute einige Probleme weniger.
    Das fängt schon bei der Akzeptanz , geht mit Essstörungen weiter und hört dann dort auf immer das Gefühl zu haben bei ALLEM schneller, besser, am besten zu sein als alle anderen nur um beweisen zu können das man es genauso gut oder sogar besser kann, trotz Diabetes.
    Bei dem ersten Satz in diesen Beitrag haben sich mir direkt die Nackenhaare hochgestellt.
    Vielleicht solltet ihr mal eure Kinder tatsächlich fragen wie es ihnen damit geht, ob sie mit irgend etwas Probleme haben, ob irgendetwas sie besonders belastet.
    Denn auch wenn es äußerlich nicht erkennbar ist, und wenn man “denkt” sie kennen es nicht anders. Es ist eine Belastung, manchmal mehr, manchmal weniger. Klar wird es Routine, man sollte sich auch mal vor Augen halten das man nicht einfach mal eine Pause vom Diabetes einlegen kann. Irgendwann muss es dann mal ein Ventil geben und solche Auffälligkeiten sind genau der Anfang dafür.

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  • Claudia von Reetselig 24/05/2016 at 18:52

    Wir hatten das wunderbare Glück, gleich psychologische Hilfe angeboten zu kriegen und haben sie auch schon genutzt. Mal alle zusammen, mal mehr meine Tochter, da sie die Nadeln hasst/ Katheterwechsel und auch mal hauptsächlich ich, da es mir schwer fiel, den Spagat zu machen zwischen der immensen Verantwortung, die ich/wir tragen und dem Verantwortung abgeben.
    Häufig ist meine Tochter (12) alleine zu Beginn reingegangen und ich bin später dazu gekommen. So konnte sie ihren Frust los werden ohne Sorge zu haben, mich damit zu belasten.

    Ich finde alle Kinder sollten die Möglichkeit bekommen psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei uns ist dies an die Diabetes Ambulanz der Klinik angeschlossen, so dass es unproblematisch ist und auch gemeinsam nach Lösungen gesucht werden kann.

    Liebe Grüße vom deich
    Claudia

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  • Mini 13/05/2016 at 20:03

    Hallo. Ich studiere Psychosoziale Beratung im Master und bin selbst seit 15 Jahren Typ 1 Diabetikerin. Ich habe die Diagnose selbst mit 10 Jahren bekommen.
    In meiner anstehenden Masterarbeit werde ich mich genau mit diesem Thema beschäftigen. Nämlich welche Unterstützung Kinder und Jugendliche mit Typ 1 Diabetes benötigen und auch zur Verfügung gestellt bekommen sollen damit sie möglichst gering psychisch belastet werden und auch im Erwachsenenalter einen geeigneten Umgang mit ihrer Krankheit beibehalten können.
    Ich bin nämlich selbst auch der Meinung dass die Psychosoziale Betreuung sowohl der Kinder selbst aber auch ihrer Bezugspersonen bei der Diabeteserkrankung oft viel zu kurz kommt.

    Für deine aktuelle Frage kann ich dir nur die Klinik in Bad Mergentheim empfehlen, dort arbeiten speziell ausgebildete Psychodiabetologen!

    Viele Grüße und alles Gute!

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  • unserlebenmitemily 13/05/2016 at 08:23

    ich finde die psychologische Betreuung gar nicht schlecht. Wenn das Kind sie nicht braucht, dann wird der Psychologe das schon sagen. Aber ich merke zb daß Emily ihre Krankheit noch nicht so gut verarbeiten kann, vor allem ihre Krankenhausaufenthalte. Sie spricht sehr oft darüber.

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