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Bei Diabetes Typ1 gibt es nur ein Wundermittel – INSULIN

Als wir die Diagnose Diabetes Typ 1 bei unserer Tochter erhalten haben, waren wir wie die meisten Eltern erst einmal geschockt. Wir mussten lernen die Diagnose und damit die Krankheit zu akzeptieren. Wir mussten uns damit auseinandersetzen, dass unsere Tochter von nun an chronisch Krank ist und ohne Insulin nicht überleben kann. Eine verdammt schwere Zeit für uns. Und nicht alle Eltern kommen gleich gut mit so einer Diagnose zurecht. Die einen nehmen die Krankheit rasch an, die anderen brauchen eine ganze Weile es zu verkraften und wieder andere zerbrechen auch daran.

Fast alle Eltern beschäftigt nach der Diagnose die Frage nach dem Warum. Warum unser Kind? Haben wir was falsch gemacht? Hätten wir die Krankheit verhindern können? Sie machen sich Vorwürfe und begeben sich dann häufig auch auf die Suche nach alternativen Behandlungs- oder Heilungsmethoden. Denn wenn man die Krankheit schon nicht verhindern konnte, so kann man sie vielleicht doch irgendwie heilen.

Achtung, es kann gefährlich werden

Für einige Eltern gibt es da vielleicht auch die Phasen in denen es für sie einfach schwer ist zu akzeptieren, dass nur Insulin das einzige Wundermittel bei Diabetes Typ 1 sein soll. Es gibt vielleicht sogar die Phasen, wo die Diagnose sogar angezweifelt wird. Doch wenn man jetzt nicht dann irgendwann den Absprung schafft, und lernt die Krankheit anzunehmen, dann kann es gefährlich werden.

Allein das Internet ist voll mit dubiosen Webseiten, die Heilung von jeder Art Krankheit, auch Diabetes Typ 1, versprechen. Scharlatane und Wunderheiler tummeln sich dort leider wie Sand am Meer. Sie wollen uns weismachen, das Diabetes nur eine Erfindung ist. Das unsere Kinder mit einer einfachen Ernährungsumstellung oder einer anderen sonderbaren Therapieform geheilt werden können. Und manchmal klammern sich Eltern an diese falschen Versprechungen, nur um eine kleine Wunderheilung zu erleben. Sie versuchen diverse Pillen und sonstige dubiose Mittelchen an ihren Kindern. Und im schlimmsten Fall verweigern sie ihren Kindern sogar das lebensnotwendige Insulin. Sie legen das Leben ihrer Kinder in die Hände dieser selbsternannten Wunderheiler, die ihnen in den meisten Fällen doch nur das Geld aus der Tasche ziehen möchten.

Aber viel schlimmer noch als diese Geldmacherei, ist die Tatsache, dass genau wegen solchen Scharlatanen und Wunderheilern schon Kinder gestorben sind. Weil ihre Eltern diesen Menschen und ihren falschen Heilungsmethoden mehr vertraut haben, als der Schulmedizin. So wie letztes Jahr der Fall des kleinen Mädchens, dessen Eltern lieber einer “Germanischen Heilkunde” vertraut haben, als ihrer Tochter das lebensnotwendige Insulin zu geben. So wie der kleine Junge in Australien, dessen Eltern die Diabetes Erkrankung mit einer Prügeltherapie wieder herausprügeln wollten. Mich persönlich machen solche Berichte immer sehr betroffen und sprachlos.

Viel wichtiger als Wundermittel – Akzeptanz

Ich kann nur allen Eltern raten, die Finger von irgendwelchen Wundermitteln zu lassen. Auch wenn die Versprechungen noch so schön und verlockend klingen. Wirklich geholfen wird unseren Kindern nur durch die Gabe von Insulin. Die große Aufgabe an uns Eltern ist, die Krankheit zu akzeptieren und positiv damit umzugehen. Denn wie sollen unsere Kinder die Krankheit und die Behandlungsmethode mit Insulin akzeptieren, wenn wir es ihnen nicht vorleben. Und glaubt mir, ich weiß genau, wie sehr man sich eine Heilung für sein Kind wünscht. Schließlich leben auch wir schon seit über 3 Jahren mit dem Diabetes. Und auch ich, würde diese Krankheit am liebsten zum Mond schießen, doch leider geht das nicht. Also habe ich die Krankheit so gut es geht (es gibt auch schlechte Tage) akzeptiert und ich versuche unserer Tochter zu zeigen, dass sie auch mit dem Diabetes alles machen kann wie andere Kinder auch. Was nicht immer einfach ist. Doch glaubt mir, wenn ihr die Krankheit akzeptiert, geht es auch euch und folglich auch euren Kindern auf Dauer besser damit. Und wenn ihr es nicht von alleine schafft, dann holt euch professionelle Unterstützung. Manchmal hilft auch schon eine Selbsthilfegruppe mit anderen betroffenen Eltern. Aber bitte, bitte vertraut nicht in selbsternannte Wunderheiler oder dubiosen Mittelchen aus dem Internet. Am Ende verliert ihr damit nicht nur euer Geld. Ihr könnt damit auch das Wichtigste in eurem Leben verlieren – euer Kind.

Hoffnung auf Heilung – aber keine Wunderheilung

Auch wenn ich die Krankheit als Gegeben akzeptiert habe, so verliere ich dennoch nicht die Hoffnung, dass vielleicht in ein paar Jahren ein neues Heilmittel gegen Diabetes Typ 1 geben wird. Es wird zurzeit viel geforscht in diesem Bereich. Und wenn ich sehen, wie sich allein die Diabetes Therapie in den letzten 20 Jahren verändert hat, sehe ich zuversichtlich in die Zukunft. Wer weiß, und wenn es nicht heilbar wird, so wird es eventuell doch um einiges einfacher mit der Krankheit unbeschwert zu leben. Aber bis dahin werde ich versuchen meiner Tochter ein gutes Vorbild zu sein. Sie bei der Krankheit so gut ich kann zu unterstützen. Und um Wundermittel, Zauberbohnen, etc. machen ich weiterhin einen großen Bogen.

Warum ich das alles schreibe? Weil wir immer wieder Nachrichten und Emails von Eltern mit neumanifestierter Kinder erhalten, die uns darauf aufmerksam machen wollen, dass Sie für ihr Kind die ultimative neue Heilungsmethode (ganz ohne Insulin) gefunden haben. Unsere Antwort darauf ist jedesmal die gleiche: Insulin ist das einzige Wundermittel bei Diabetes Typ 1 und bitte, bitte setzt nicht einfach das lebensnotwendige Insulin Eurer Kinder ab, nur weil ein selbsternannter Wunderheilung Euch eine alternative Heilungsmethode nahelegt.

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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4 Kommentare

  • Samira 16/02/2017 at 23:27

    Wie läuft es in der Schule?

    Reply
    • Kathy 22/02/2017 at 17:11

      Was möchtest Du zum Thema Schule gerne wissen?
      Unsere Tochter macht seit der 1. Klasse in der Schule alles alleine. Die Hilfe der Lehrer beschränkt sich auf ein Minimum.
      Gruß
      Kathy

      Reply
  • Kathy 13/04/2016 at 19:11

    Hallo Claudia,
    irgendwie war es mir ein Anliegen diesen Bericht zu schreiben. Wir hatten gerade wieder in der letzten Woche wieder eine derartige Anfrage einer Mutter.
    Ohne Akzeptanz geht es leider nicht. Und auch wenn es schwerfällt, ist es der richtige Weg und nicht irgendwelche Wunderheiler.
    Gruß
    Kathy

    Reply
  • Claudia von Reetselig 12/04/2016 at 10:22

    Danke Kathy, für diesen gut geschriebenen Artikel. Ich bin so froh, dass es Insulin gibt, auch wenn ich manchmal den Diabetes gerne in die Wüste schicken würde, das Insulin niemals.
    Ich denke auch, dass wichtigste ist die Akzeptanz und rasch eine Weg zu finden, den Diabetes so ins Leben einzubinden, dass im Grunde alles möglich ist. Dann schaffen wir auch die manchmal blöden Nächte und alles andere.
    Liebe Grüße vom deich
    Claudia

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