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Naschen erlaubt – was mich beim Thema Süßigkeiten und Diabetes Kids manchmal einfach nur nervt

Es ist wieder Ostern. Und wie in jedem Jahr gibt es für alle Kids wieder Schokoladeneier, Schokoladenosterhasen und anderen Süßkram. Und auch, wenn in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild vorherrscht, so bekommt unsere Tochter selbstverständlich auch ein richtiges Osternest, mit allem was dazugehört.

Die vielen Diskussionen zum Thema Süßigkeiten und Diabetes Typ 1 gehen mir manchmal einfach ganz schön auf die Nerven. Und das nicht nur an Ostern. Irgendwie begegnen mir immer wieder so ganz tolle Sätze wie:

♦ Ahh, Diabetes – klar, wenn die Mutter das Kind nur mit Süßigkeiten vollgestopft hat

Sätze wie diesen bekommen wir leider ziemlich oft zu hören. Häufig auf sogenannten “Mamaseiten” auf Facebook oder anderen Foren, wo die sogenannten Super-Öko-Mütter ihren Senf dazu geben müssen, ohne sich überhaupt mit der Krankheit auszukennen. Und je öfter ich diesen Satz höre, umso genervter reagiere ich darauf. Leider wird die Krankheit Diabetes immer mit zu viel Süßigkeiten und Zuckerkonsum in Verbindung gebracht. Ständig hört man in den Medien und in der Politik nur von den fetten Kindern die alle an Diabetes erkranken, weil sie sich nur von Fast-Food und Süßkram ernähren, ausschließlich Cola trinken und nur faul vor dem Fernseher sitzen. Kaum einer unterscheidet dabei, dass dies vielleicht auf Typ 2 Diabetes zutreffend sein kann (nicht muss), nicht aber mit Typ 1 Diabetes in Verbindung steht. Doch leider werden wir so mit diesen Halbinformationen täglich zugeschüttet, dass ein Außenstehender die kleinen, aber feinen Unterschiede nicht herauslesen bzw. erkennen kann.

Und in der Öffentlichkeit entsteht so das Bild, dass wir “Rabenmütter” Schuld an der Krankheit unserer Kinder sind. Weil wir sie ja schon von klein auf mit Süßigkeiten vollgestopft haben müssen. Meist versuche ich diese Aussagen zu ignorieren, doch das fällt mir nicht immer leicht. Und ich habe nicht immer den Nerv allen möglichen Leuten zu erklären das es Typ 1 und Typ 2 Diabetes gibt. Das unsere Kids Typ 1 Diabetes haben und das es sich dabei um eine Autoimmunerkrankung handelt und leider noch keiner die genauen Gründe für den Ausbruch der Krankheit gefunden hat. Und vor allem das die Krankheit nichts, aber auch gar nicht mit dem Konsum von Süßigkeiten zu tun hat.

♦ Wie kannst Du nur deinem Kind was Süßes erlauben?

Kassiert Ihr auch ab und an abschätzige Blicke, weil ihr Eurem Kind mal ein Stück Schokolade oder ein Eis erlaubt? Ich als “Rabenmutter” gestatte meinem Kind mit Diabetes Typ 1 ab und zu was Süßes, dabei ist das doch strikt verboten. Vor allem da Leonie ja auch noch den schweren Diabetes hat. Und auch hier hab ich nicht immer den Nerv allen Leute ständig zu erklären, dass meine Tochter auch mit dem schweren Diabetes mal Schokolade oder ein Eis essen darf.

♦ Ach, sie darf das ja nicht essen. Sie hat ja Diabetes

Und das bringt mich gleich zu Aussage drei. “Sie darf das ja nicht essen, weil sie hat ja Diabetes” – “Oh, jetzt habe ich Muffins gebacken, schade das Leonie keinen davon essen darf, wegen dem Diabetes”. “Wie macht ihr das Ostern? Ein Schokoosterhase geht ja bei Euch leider nicht!”
Ich kann Euch gar nicht sagen, wie oft ich schon erklärt haben, dass Leonie alles essen darf, sie nur die Kohlenhydrate berechnen und dafür Insulin bolen muss. Aber irgendwie bleibt das bei einigen Leuten nicht wirklich im Gedächtnis hängen. Immer wieder kommen sie mit derselben Aussage um die Ecke. Manchmal reagiere ich auch schon gar nicht mehr darauf und verdrehe einfach nur meine Augen.

Und obwohl ich diese Aussagen manchmal versuche zu ignorieren. Und sie mir manchmal einfach nur auf die Nerven fallen, werde ich wohl die meiste Zeit trotzdem immer wieder geduldig erklären, warum mein Kind trotz Diabetes was Süßes naschen darf. So wie ich es gefühlt schon mindestens eine Million mal bereits erklärt habe und wohl auch noch weitere zig Millionen mal erklären werde. Vielleicht bleibt es ja doch einmal bei den besagten Personen hängen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und bis dahin plündern wir das diesjährige Osternest.

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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6 Kommentare

  • Tim 19/12/2016 at 16:33

    Sehr schöner Post

    Reply
  • Swantje 29/03/2016 at 20:01

    Oh ja, das kennen wir auch. Unser Sohn ist mit 13 Monaten an Typ 1 Diabetes erkrankt. Wieviel Kraft und Nerven diese Krankheit allen Familienmitgliedern kostet, können sich die Schlaumeier dieser Welt ja nicht vorstellen. Und wie unendlich nervig es ist, darüber hinaus noch erklären zu müssen, dass Schuld oder Fehlernährung nix mit Ausbruch der Krankheit zu tun haben…
    Vielen Dank für Ihren Beitrag Kathy, Sie schreiben mir aus der Seele!
    Mit freundlichen Grüßen Swantje

    Reply
  • Ute Engel 26/03/2016 at 23:02

    Sie machen das super, mit ihre Leoni. Traurig das viele Leute meinen sich überall einmischen zu müssen, obwohl sie doch offensichtlich keine Ahnung haben.

    Reply
  • unserlebenmitemily 25/03/2016 at 19:07

    Was für dumme Sprüche. Genauso wie die Annahme, dass alle dicken Menschen nur Chips essen und den ganzen Tag nur auf der Couch sitzen. Es tut mir leid, dass ihr euch mit so einem Unsinn ausseinandersetzen müsst. Ich würde da auch wütend werden. Aber Fragen darfst Du bitte nicht so böse nehmen, dann interessieren sich die Leute einfach dafür. Sie wollen damit Interesse bekunden. Also zumindest wäre da bei mir so. Ich stelle auch immer Fragen, vergesse aber leider wieder vieles. Aber interessieren tut es mich trotzdem sehr.

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  • Michael 25/03/2016 at 15:36

    Liebe Kathy,
    Sie haben das sehr schön geschrieben. Besonders schön finde ich, dass ich alle Geschichten zu 100 Prozent genau so in den vergangenen acht Jahren auch erlebt habe. Deshalb schreibe ich Ihnen.

    Damals war unser Sohn vier, heute ist er 12. Neulich fragte mich eine der Personen, die einst die heimlichen Schoko-Partys unseres Kindes (die es nie gab) für den Diabetes verantwortlich machte: „Wie jetzt? Er hat immer noch Diabetes? Ich dachte, das geht wieder weg!“ Dass es mir bei so viel Dummheit – ich denke, so darf man es irgendwann nennen – nur noch selten die Zunge lockert und ich schon lange keine gesundheitspolitisch unkorrekten Antworten mehr gebe, habe ich mir unbewusst antrainiert. Man könnte manchmal an die Decke gehen und so richtig gemeine Antworten geben – allein, es bringt ja überhaupt nichts; nein, es bleibt nicht bei den besagten Personen hängen, wie Sie sich erhoffen. Manche Menschen sind nun einmal aufklärungs-resistent! Und ich verspreche Ihnen – es werden täglich mehr. Machen Sie es wie die Pinguine aus dem Kino-Streifen „Madagasgar“ – lächeln und winken Sie“.

    So machen wir es heute Abend im heimischen Kino. Dass wir anstatt Karotten und Mineralwasser Popcorn und Cola bevorzugen, versteht sich an so einem Tag von selbst. Viel Spaß beim Osternest plündern. Schöne Feiertage, Michael

    PS: Wenn Sie etwas über mich und meinen Sohn lesen wollen, gerne hier:
    http://www.diabetes-online.de/lucas_welt

    Womöglich haben Sie das alles auch schon erlebt!

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