Diabetes mütterblog interview Stephanie hill

Stephanie Hill – Leichtathletin (Sprint, Weitsprung) – im Interview

Stephanie Hill bekam im Alter von 9 Jahres Diabetes Typ 1. Sie ist eine ambitionierte Sportlerin – Leichtathletik (Sprint und Weitsprung). U.a. war Sie die Fackelläuferin bei den ersten Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck 2012

KmT1D: Wie war es für Sie,im Alter von 9 Jahren Diabetes zu bekommen? Haben Sie es schnell akzeptiert oder hat es “seine Zeit” gedauert?

blog-diabetes-kids-interview-stephanie-hill2Stephanie Hill: Zunächst wusste ich gar nicht was los war. Als ich in die Klinik kam und mein Blutzucker nicht mehr messbar war, hatte ich mich noch ganz normal mit den Ärzten unterhalten und wusste gar nicht, warum sie mich aufeinmal da behalten wollten und mir eine Infusion gaben. Als ich dann gesagt bekam, dass ich nun für immer Diabetes mellitus Typ 1 haben werde, brach erstmal eine Welt zusammen, weil ich überhaupt nicht verstand, was mit mir passiert war und passieren wird. Doch am zweiten Tag im Krankenhaus erklärte mir einmal morgens meine Mutter alles und erzählte mir von einem Kind im Zimmer neben an, das an Leukämie leidete und nicht mehr lang zu leben hat. Das war der Moment, an dem meine Mutter und ich beschlossen hatten, das Beste aus meinem Leben zu machen und gemeinsam mit dem Diabetes ein wunderschönes Leben zu leben.

KmT1D: Wie haben Ihre Freunde darauf reagiert?

Stephanie Hill: Meine Freunde haben den Diabetes schnell akzeptiert und mir sogar geholfen, wenn es nötig war. Der Diabetes war kein Thema beim Spielen und wenn ich mal im Unterzucker war, haben sie mir sogar den Traubenzucker gebracht.

KmT1D: Wie lief es in der Schule? Auch später auf der weiterführenden? Haben die Lehrer Sie unterstützt? Haben Sie in der Schule spritzen müssen? Haben Sie in der Schule Ausgrenzungen erfahren müssen? Oder sonst irgendwo?

Stephanie Hill: In der Schule hatte ich immer einen Zettel mit den nötigen Notfall-Informationen für den Lehrer dabei. Grundsätzlich habe ich meinen Diabetes von Anfang an alleine gemanagt und brauchte daher keine Hilfe. Wenn es mir mal nicht gut ging, hatten die meisten Lehrer Verständnis dafür. Sehr hilfreich war für mich dann mit zwölf Jahren die Umstellung auf eine Insulinpumpe. Das machte mich gerade in der weiterführenden Schule bei Unterricht bis zum Nachmittag flexibler oder auch wenn der Schulsport mal ausfiel. Zwei mal Knöpfe drücken und schon waren die überschüssigen Broteinheiten, die ich extra für den Schulsport aß, kein Thema mehr.

KmT1D: Seit wann haben Sie die Pumpe?  (Wenn nicht von Beginn der Diagnose an; wie war die Umstellung auf Pumpe für Sie?)

Stephanie Hill: Zunächst war es ungewohnt ständig ein Gerät tragen zu müssen, doch daran habe ich mich schnell gewöhnt. Auch beim Schlafen hat sie mich nie gestört. Daher war die Insulinpumpe einfach nur sehr praktisch für mich und eine deutliche Vereinfachung für den Alltag. Zudem hatte ich weniger Unterzuckerungen und konnte meine Insulinabgabe genauer und flexibler anpassen.

KmT1D: Wann haben Sie mit dem Leistungssport angefangen? Tragen Sie die Pumpe bei Wettkämpfen? Wie handhaben Sie bei Wettkämpfen Ihr Diabetes-Managment?

Stephanie Hill: Sport spielte in meinem Leben auch vor dem Diabetes bereits eine wichtige Rolle. Damals spielte ich Tennis, turnte und tanzte. Der Diabetes war für mich kein Grund mit dem Sport aufzuhören. Im Gegenteil, ich begann zu reiten, zu voltigieren und mit zehn Jahren kam noch die Leichtathletik hinzu. Dass ich recht schnell und unkompliziert meine Therapie an den Sport anpassen konnte, verdanke ich auch meiner Mutter. Sie ist gelernte Arzthelferin und heute Anästhesie-Schwester und ist zudem meine Leichtathletik-Trainerin. Ihr medizinisches Wissen half vor, während und nach dem Training oft weiter. Über die Jahre sammelte ich dann immer mehr Erfahrung und interessierte mich mehr und mehr für die Leichtathletik. Mit 14 Jahren konzentrierte ich mich dann nur noch auf die Leichtathletik, trainierte 4 bis 6 Mal in der Woche und nahm an vielen Wettkämpfen teil. In der Insulinpumpe programmierte ich für Wettkampftage und Trainingslager eine besonders niedrige Basalrate. Für die kurze Zeit während des 100-Meter-Sprints oder während der Sprünge beim Weisprung-Wettkampf nehme ich die Insulinpumpe ab und trage sie danach wieder. Wichtig ist dabei, sehr häufig zu messen. An Wettkampftagen messe ich bis zu 20 Mal und korrigiere nach Bedarf. Denn um bestmögliche Leistungen beim Sprint oder Weitsprung erreichen zu können, muss mein Blutzucker optimal sein. Mein Lieblingswert ist dabei 120 bis 140 mg/dl.

KmT1D: Wann nervt der Diabetes Sie? Fühlen Sie sich eingeschränkt?

Stephanie Hill: Klar, immer mal wieder gibt es auch Situationen, bei denen der Diabetes zum Beispiel bei Stress nicht so läuft, wie man sich das vorstellt. Dann nervt er mich. Doch grundsätzlich habe ich gemerkt, dass auch diese Situationen zum Lernprozess dazu gehören. Der Diabetes zwingt einen dazu, seinen Körper und seine Reaktionen auf verschiedene Situationen gut kennen zu lernen. Zusammen mit einer guten Körperwahrnehmung kann man so ein eigenes Bauchgefühl entwickeln, welches einem bei Entscheidungen für die Therapie helfen kann. Und dabei lernt man nie aus.
Eingeschränkt fühle ich mich nicht. Viel mehr betrachte ich es als eine Herausforderung, die bestmöglichen Voraussetzungen für mein Wohlbefinden und damit auch für meinen Alltag zu schaffen.

KmT1D: Können/möchten Sie unseren Lesern etwas mit auf den Weg geben?

Stephanie Hill: Das wichtigste ist, häufig messen, genau auf den eigenen Körper achten, öfter mal in sich hinein hören und nie entmutigen lassen, sondern positiv denken, den Diabetes im Leben mitnehmen und aus Misserfolgen lernen.

Wir bedanken uns recht herzlich für das tolle Interview bei Stephanie Hill. Vielen Dank, das Sie sich die Zeit genommen haben, um unsere Fragen so ausführlich zu beantworten. Ihre Geschichten zeigen uns Eltern, was alles mit Diabetes Typ 1, auch im Leistungsport, möglich ist.

Mehr zu Stephanie Hill findet Ihr auf ihrer Webseite www.stephanie-hill.de und auf der Homepage des Teams Special-1-one

Mandy

Mandy

Bereits im Alter von 3 Jahren erkrankte unser Sohn an Diabetes Typ 1. Fast noch ein Kleinkind, hieß es von nun an Pieksen, Messen, Insulin abgeben. In meinen Beiträgen möchte ich zeigen, wie wir alle zusammen mit der Krankheit leben.
Mandy

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