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Selbsthilfegruppe vor Ort oder Hilfe aus dem Internet ?!

Gleich mal vornweg! ICH brauche beides! Für mich ist der persönliche Austausch von Angesicht zu Angesicht total wichtig! Das Gespräch mit betroffenen Müttern auch mal das unbeschwerte Gespräch zwischendurch und hin und her schwenken! Ich liebe es mich zu unterhalten – zu erzählen, meine Erfahrungen weiterzugeben, Tipps zu bekommen, andere Erfahrungen zu hören – die Mimik im Gesicht zu sehen….eine gemütliche Runde, raus aus dem Alltag!

Kaum aus dem Krankenhaus draußen besuchte ich die Selbsthilfegruppe in der Nähe. Ich lernte dort wirklich sehr nette Frauen kennen – sie waren alle schon mindestens 10 Jahre dabei. Damals wurde die Gruppe neu gegründet – sie gaben sich gegenseitig Halt, unternahmen viel mit den Kindern – es entwickelten sich Freundschaft. Man bekommt Tipps , die können einem nur betroffene Eltern geben. Man muss sich nicht erklären, es reicht zuzuhören und zu nicken – die Tränen runterzuschlucken. So ging es mir am Anfang. Es gibt tolle Referenten die die Gruppen besuchen und Vorträge halten aus denen man viel rausziehen kann. Das sind gesellige Abende, man geht aus dem Haus – man hat Abstand vom eigenen Diabetes-Alltag und trotzdem durch das Treffen mit Gleichgesinnten die Nähe zur Krankheit. Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, wenn ich schon von zuhause weggehe, mich aber mit Diabetes beschäftige, brauch ich kein schlechtes Gewissen zu haben.  Natürlich ist das Blödsinn. Man kann auch ohne schlechtes Gewissen aus dem Haus – aber ich spreche ja von meinen Empfindungen bei Manifestation.

Dann das Internet. Abgesehen von der Webseite der eigenen Selbsthilfegruppe aus denen man schon viel Informationen findet gibt es das Diabetes-Kids.de-Forum. Dort habe ich mich zuerst eingefunden. Wertvolle Tipps, sogar von Experten, Mütter die Tagebücher schreiben, Antworten zu jeder nur erdenklichen Frage! Einfach großartig. Dann Facebook. Gruppen über Gruppen. Stellt man eine Frage, sofort bekommt man Antwort – von über 600 oder mehr Gruppenmitgliedern ist immer irgendeiner online, der einen Ratschlag hat! Im Zeitalter der Smartphones sowieso! Frage – zack – Antwort! Genial!

Nur wo sind die ganzen Neumanifestierten? Wo sind die Mütter bei uns aus dem Umkreis? Es gibt so viele die neu betroffen sind und in unserer Selbsthilfegruppe sitzen sie – die “alten” Hasen! Die Motivation etwas zu bewegen, etwas auf die Beine zu stellen lässt im Laufe der Zeit nach – so wird es mir sicherlich auch ergehen. Die Kinder werden älter – die Kids haben dann nicht mehr so das Bedürfnis mit Gleichgesinnten zusammen zu sein – sie kommen in die Pubertät – Hallooooo! Da gibt es wichtigere Dinge wie den blöden Diabetes. Auch als Mutter siehst du nicht mehr so die Notwendigkeit – du kommst zurecht – alles hat sich eingespielt – der Diabetes ist da aber nicht mehr das zentrale Thema-  aber die Gruppe kommt seit Jahren zusammen und das ist schön – Austausch findet trotzdem noch statt. Man hat das Gefühl die Selbsthilfegruppen vor Ort sterben aus. Das Internet ersetzt für viele – gerade mit kleinen Kindern – das Treffen außerhalb der 4 Wände. Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit ins Internet gehen – meine Frage stellen oder irgendwo was ähnliches Nachlesen. Warum soll ich noch in eine Selbsthilfegruppe gehen? 1 x im Monat? Für was? Ich habe doch jetzt gerade eine Frage die ich beantwortet wissen möchte! Freizeit opfern – einen Abend opfern um über die Krankheit zu sprechen? Einen Babysitter organisieren “nur” um mich über die Krankheit auszutauschen? Na, wenn ich doch mal einen Babysitter organisiere, gehe ich lieber mit meinem Mann oder einer Freundin aus und treffe mich nicht wegen der Erkrankung! Zeit – für was möchte ich meine Zeit aufwenden? Wenn ich gerade Fleisch anbrate, kann ich kurz ins Internet gehen, kann mich dort austauschen – habe also auch Selbsthilfe in dem Sinn, ohne etwas zusätzlich an Zeit aufzubringen oder zu organisieren!

Natürlich darf man auch nicht vergessen – nicht jeder möchte in eine Selbsthilfegruppe – man muss auch ein bisschen der Typ dafür sein. Kommunikativ sein. Auch will nicht jeder über die Erkrankung oder über persönliche Gefühle oder auch über die persönliche Situation zuhause erzählen – sind doch alle fremd. In der Anonymität des Internet, da traut sich so mancher eher etwas zu sagen – manchmal muss ich auch feststellen: Leider! Denn aus der Anonymität heraus, wird oft die gute Kinderstube vergessen – es herrscht ein Ton, der einem Angst macht. Gott sei Dank sind aber die meisten Betroffenen im einem Boot und helfen sich gegenseitig und unterstützen – auch ohne jemandem persönlich zu kennen!

Ich brauche beides. Die Selbsthilfegruppe und das Internet! Das Engagement außerhalb der 4 Wände, ob beim Treffen mit den Müttern oder bei einem Event mit den Kids – die Freundschaften die entstanden sind weil man das gleiche Schicksal hat, sich in wirklich in den Arm zu nehmen und Trost zu finden und auch das Internet – wo man selbst mal einen Ratschlag für eine verzweifelte Mutter gibt – oder auch mal nicht weg kann, wenn die Kinder krank sind und ein Tipp braucht oder einfach nur mal ein paar nette Worte liest! Auch dort entstehen Freundschaften – manchmal sogar bis ins wirkliche Leben!

Aber vielleicht ermutigt es euch einmal die Selbsthilfegruppe in eurer Nähe aufzusuchen! Probiert es doch einmal aus – wenn es nicht ist, dann ist es nichts – was ist schon 1 Abend im Monat?

Wie macht ihr das? Seit ihr aktiv in einer Selbsthilfegruppe oder ausschließlich im Internet? Oder braucht ihr auch beides, so wie ich?

Gast Autor

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