Diabetes Mütterblog Interview Daniel Schnelting

Daniel Schnelting – 3-facher Deutscher Meister im 200m-Lauf – im Interview!

Vorab möchte ich mich ganz herzlich bei Daniel bedanken, der sich die Zeit genommen hat unsere Fragen so offen und so persönlich zu beantworten und uns so einen Einblick in sein Leben mit Diabetes Typ1 gibt! Daniel ist durch seine sportlichen Erfolge und sein Engagement bei Kinder sehr beliebt und ein großes Vorbild! Wir freuen uns unglaublich darüber, dass wir für unsere Aufklärungsarbeit durch Daniel Schnelting eine tolle Unterstützung bekommen haben!

Diabetes Daniel Schnelting

Daniel Schnelting

KmT1D: Du hast ja auch als 5jähriger Bub Diabetes Typ1 bekommen. Wie war das für Dich?

Daniel Schnelting: Die Diagnose „Diabetes“ bekam ich 1991. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, denn ich hatte im Krankenhaus meinen 5. Geburtstag und es gab natürlich auch Geschenke. Für meine Eltern ging natürlich erstmal die Welt unter. Nach einer kurzen Phase haben sie schnell begonnen sich über alles zu informieren, um mir MIT dem Diabetes alles zu ermöglichen. Das ist ihnen sehr gut gelungen und ich hatte trotz des Diabetes eine sehr schöne Kindheit.

KmT1D: Kannst Du dich an Deine Kindergartenzeit erinnern? Wie war das mit den Erzieherinnen damals? Haben Sie dich gespritzt oder den Blutzucker gemessen?

Daniel Schnelting: Im Kindergarten haben mich meine Erzieherinnen ein- bis zweimal während des vormittags aufgefordert das ich meinen Blutzucker kontrolliere und bei schlechten Blutzuckerwerten haben sie meine Mutter angerufen. Das kam allerdings sehr selten vor, denn auch bei einem etwas erhöhten Blutzucker habe ich es geschafft, diesen durch Bewegung zu senken. Meine ehemalige Kindergärtnerin hat mir erzählt, dass es schon damals im Kindergarten ein Spiel gab, das „Daniel fängt alle“ hieß. Anscheinend war ich damals bereits schnell unterwegs.

KmT1D: Musstest Du als Kind Ausgrenzung erfahren im Kindergarten oder später in der Schule?

Daniel Schnelting: Nein, das war kein Problem für mich. Mit Sicherheit hat mir gerade hier der Sport geholfen. Ansonsten bin ich offen mit meinem Diabetes umgegangen und habe meinen Mitschülern erklärt, warum ich mich piksen und dann auch noch selbst spritzen muss. In der Schulzeit bin ich damals auch noch um die Schule gerannt, wenn ich einen hohen Blutzuckerwert hatte. Die Schüler aus den anderen Klassen haben natürlich gefragt was ich da draußen mache. Die Lehrer/innen haben dann allen erklärt, dass ich Diabetiker bin und die Bewegung den Blutzucker senkt… So habe ich bereits damals zur Diabetes-Aufklärung beigetragen 😉

KmT1D: Wann hast Du angefangen aktiv Sport zu machen? Wann wurde es zum Leistungssport?

Daniel Schnelting: Sport ist schon immer Teil meines Lebens, aber zum „Leistungsport“ wurde es erst ab dem 16. Lebensjahr. Es kamen die ersten größeren Erfolge (Deutscher Jugendmeister – 200m) und das hat mich natürlich motiviert, dann wollte ich mehr. Mich reizt die Geschwindigkeit, wenn ich mit 40km/h über die Bahn renne ist das ein kick für mich und ich liebe den Wettkampf. Dieses Gefühl wenn ein Stadion wie das Olympiastadion in Berlin voll besetzt ist mit mehr als 50.000 Zuschauern und ich dann als Athlet in solch einer Kulisse sprinten darf, ist das Adrenalin pur. Und gerade in diesen Momenten, unter extremen Stress, ist es wichtig den Diabetes unter Kontrolle zu halten, das ist für mich die Königsdisziplin des Diabetes. Klausuren, Prüfungen oder auch Vorträge sind ähnliche Situation, die jeder Diabetiker meistern muss.

KmT1D: Hattest Du Probleme während der Pupertät mit dem Diabetes-Management?

Daniel Schnelting: Klar gab es auch für mich in der Pupertät mal schwierigere Tag, aber der Sport und meine Ziele die ich mir selbst gesteckt habe, haben mich motiviert auf meine Blutzuckerwerte zu achten. Denn nur mit guten Blutzuckerwerten kann ich Höchstleistungen erzielen.

KmT1D: Pen oder Pumpe?

Daniel Schnelting: Ich nutze einen Pen und habe bisher noch keine Pumpe ausprobiert, getreu dem Motto „Never change a winning team“.

KmT1D: Hast Du schonmal die Notfallspritze benötigt?

Daniel Schnelting: Ja, aber nur um meinen Mitmenschen vorzuführen, wie Sie es im Notfall eingreifen müssten. Dafür eignen sich die abgelaufenen Exemplare sehr gut. Selbst habe ich Sie bisher nicht gebraucht.

KmT1D: Gab es zwischen Dir und Deinen Eltern auch mal Auseinandersetzungen wegen dem Diabetes?

Daniel Schnelting: Keine Großen, aber wenn, dann ging es um das Blutzuckerkontrollieren während und vor der Pubertät. Durch meine eigenen Ziele im Sport, habe ich mich selbst motiviert auf meinen Blutzucker zu achten, da ich nur bei guten Blutzuckerwerten meine Bestleistung abrufen kann.

KmT1D: Denkst Du das noch mehr zur Aufklärung über Diabetes Typ1 getan werden muss auch oder vorallem in Bezug auf Kinder?

Daniel Schnelting: Ja, in jedem Fall. Die Chance zu haben, das zu erreichen, was man möchte, sollte jedem gegeben sein. Diese Chance zu nutzen und die Herausforderung zu meistern, scheitert allerdings häufig durch zu wenig Wissen oder ein Mangel an Erfahrung. Das ist auch der Grund warum ich Botschafter der Aktion „Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7“ bin und zudem an Kinder und Jugend Kursen teilnehme oder auch selbst organisiere. Wenn ich Euch bei einem Diabetes-Projekt unterstützen kann, könnt Ihr mich gern ansprechen oder mir schreiben.

KmT1D: In welchen Situationen nervt Dich Dein Diabetes besonders?

Daniel Schnelting: Für mich als Diabetiker gibt es zwei Situationen, die nerven können. Zum einen wenn ich mich beim Essen verschätzt und zuviel Insulin gespritzt habe, weil ich dann auf vollen Magen noch Kohlenhydrate essen muss. Die andere Situation ist, wenn ich mich auf mein Essen freue und der Blutzucker aber zu hoch ist. Dann heißt es entweder abwarten oder doch besser nur einen Salat mit wenigen bis gar keinen Kohlenhydraten zu sich nehmen.

KmT1D: Hast du einen ganz besonderen Tipp für unsere Leser?

Daniel Schnelting: Auch wenn es mal nicht nach Plan läuft, schaut Euch an, was schief gelaufen ist und macht es beim nächsten mal besser – aus Fehlern lernen ist meine Motto.

Wenn Ihr mehr über Daniel Schnelting erfahren möchtet, hier geht’s zu seiner offiziellen Homepage.

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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