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Diabetes Kinder-Reha auf Sylt

Nachdem wir im November 2012 die Diagnose Diabetes Typ 1 für unsere Tochter erhalten haben, haben wir uns tapfer in den Alltag zurück gekämpft.
Doch die Gedanken, wie ich mein Kind noch besser im Umgang mit seiner Erkrankung unterstützen kann, haben mich nicht losgelassen.
Also habe ich angefangen zu recherchieren. Dabei bin ich immer auf die Möglichkeit einer Kinderrehabilitation, speziell für Kinder mit Diabetes Typ 1, gestoßen.

Bei einer Kinderrehabilitationsmaßnahme geht es in erster Linie darum, dass die Kinder lernen mit den Folgen der Diabetes Erkrankung umzugehen und ihren Alltag so gut wie möglich (alleine) bewältigen können.

Ich habe mir vorgenommen, beim nächsten Termin in der Dia-Ambulanz das Thema Reha anzusprechen. Unser Arzt war sehr dafür und hat uns gerne den entsprechenden Antrag ausgefüllt. Da meine Tochter zu diesem Zeitpunkt erst 5 Jahre alt war, habe wir einen Antrag mit Begleitperson bei der Rentenversicherung eingereicht. Gerade mal drei Wochen später hatten wir die Zusage für eine Kinder-Reha in der Fachklinik Sylt (mit mir als Begleitperson) in den Händen.
Den genauen Reha – Zeitpunkt wurde uns dann einige Wochen später von der Fachklinik Sylt mitgeteilt. Am 30.05.2013 sollte es losgehen.

Als berufstätige Mutter musste ich das Ganze dann noch mit meinem Arbeitgeber abklären. Da ich als Begleitperson von der Rentenversicherung offiziell genehmigt wurde, musste mich mein Arbeitgeber für diese Zeit (4 Wochen) freistellen. Den Lohnausfall und die Fahrtkosten habe ich dann nach der Reha von der Rentenversicherung erstattet bekommen.

Die Reha beginnt

Dann war er endlich da, der 30.05, der Tag der Anreise. Da wir in Bayern leben, hatten wir eine sehr lange Fahrt vor uns. Vor lauter Aufregung über die neue ungewohnte Zeit die uns nun bevorstand hatte Leonie die ganze Fahrt über Blutzuckerwerte im 200er Bereich. Keine Korrektur hat angeschlagen. Nach 12 Stunden Autofahrt waren wir dann endlich am Ziel, Westerland auf Sylt.

Kaum angekommen, wurden wir schon auf unser Zimmer gebracht und die Eingangsuntersuchung stand an. Jetzt legte sich so langsam Leonies Aufregung und der Blutzucker purzelte in den Keller und da blieben sie auch für den restlichen Tag. Während der ersten Untersuchung, haben wir gemeinsam mit dem Arzt unsere Reha-Ziele formuliert:

  1. größere Akzeptanz der Krankheit und
  2. mehr Selbstständigkeit im Umgang mit der Erkrankung

Da wir am Donnerstag angereist sind, hatten wir die ersten vier Tage mehr oder weniger zur freien Verfügung und haben erstmal die Insel und den wunderschönen Sandstrand erkundet.

Am Montag ging es dann richtig los, die ersten Schulungen standen an. Die Kinder wurden dabei in zwei altersgerechte Gruppen eingeteilt. Es gab spezielle auf das Alter der Kinder angepasste Diabetes Schulungen, Sport, Schwimmen und Gruppenbetreuung (während den Elternschulungen). Nach dem gemeinsamen Blutzuckermessen in der sog. Zuckerzelle, gingen die Kinder zweimal am Tag gemeinsam mit der Dia-Schwester zum Essen. Wir Mamis hatten dann etwas frei und haben die Zeit zum regen Austausch genutzt.

In den Schulungen lernten unsere Kinder wichtige Regeln im Umgang mit Ihrer Krankheit. Sie haben z.b. gemeinsam einen Notfall-Rucksack gepackt, haben spielerisch gelernt mit dem Pen umzugehen, haben ihre kleinen Finger mal ein paar Tage in den “Urlaub” geschickt, haben gelernt schlechte Blutzuckerwerte und gute Blutzuckerwerte zu unterscheiden, etc. etc. Die Schwestern hatten immer ein offenes Ohr für unsere Kinder und auch für uns Mamis.

Das Beste aber war, das die Kinder das erste mal nicht alleine mit Ihrer Krankheit waren. Vier Woche mal nichts “besonderes” sein, sondern einfach so wie alle anderen Kinder auch. Jeder musste vor dem Essen messen, jeder musste sich Insulin geben…. Es war mal schon wieder einer unter vielen zu sein.

Wir Eltern hatten auch kleine Schulungseinheiten. Hier konnten wir unser Wissen auffrischen und erweitern. Da aber bei einer Kinder-Reha das Kind und seine Erkrankung im Mittelpunkt stehen, war eine unserer Hauptaufgaben unsere Kinder von Schulung zu Anwendung zu bringen. Doch der tägliche Austausch mit den anderen Müttern hat mir sehr viel gebracht. Wir haben uns zugehört und uns Tipps und Ratschläge gegeben. Es war immer jemand da, der wusste wovon  man redet, der einen verstand, wenn mal wieder der Katheter verstopft war, wenn die Werte in der Nacht mal wieder zu niedrig waren, etc. etc.

Die Wochenenden hatten wir zur freien Verfügung. Hier haben wir uns zusammengetan und gemeinsam mit anderen Mamis und Kindern die Insel erkundet. Hatten viele schöne und lustige Erlebnisse, die wir mit nach Hause genommen haben. Wir haben uns auf den lange Fußmarsch zu einem “unvergesslichen” Kindernachmittag gemacht, haben Minigolf gespielt, sind auf große Piratenfahrt gegangen, haben eine Inselparty gefeiert und haben einen Möwenangriff auf der Standpromenade überlebt. 🙂

Diese vier Wochen Reha sind für uns wie im Fluge vergangen. Und haben wir unsere beiden Ziele erreicht? Ja, voll uns ganz. Unsere Tochter ging gestärkt aus der Reha nach Hause, bedient seitdem ihre Pumpe selbstständig und weiß genau welche Maßnahme sie bei Unter- oder Überzuckerungen ergreifen muss. Für uns kann ich sagen, wir möchten 2015 wieder eine Reha machen und am liebsten auf Sylt.

Mehr Informationen zum Thema Kinder-Reha und Antrag findet Ihr hier in der Broschüre der Rentenversicherung

Unser Weg zur Kinder-Reha war wie folgt:

1. Antrag vom Dia-Arzt für das Kind und einer Begleitperson ausfüllen lassen
2. Antrag an die Rentenversicherung weitergeleitet
3. Zusage der Rentenversicherung für eine Kinder-Reha mit Begleitperson, die Klinik wird von der Rentenversicherung ausgewählt
4. Schreiben der Klinik mit genauer Terminbekanntgabe
5. Informieren des Arbeitgebers. Der Arbeitgeber musste mich in dieser Zeit von der Arbeit freistellen. Das Gehalt wurde von mir von der Rentenversicherung nach der Reha ausgezahlt
6. Antritt der Reha

Kathy

Kathy

Im November 2012 erkrankte meine damals 5jährige Tochter an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit die unser (Familien-)Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat.
Kathy

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