Diabetes Warnhund Kind Ausbilden

Diabetikerwarnhund – wie aus unserer Goldi-Hündin ein Hypo-Hund wurde

Die Diagnose seit August 2012 im Nacken habe ich ab September versucht alles mögliche in Angriff zu nehmen um diese Diagnose irgendwie leichter für uns zu machen.

Wir haben eine Goldenretriever-Hündin, Evy, sie war zu diesem Zeitpunkt 14 Monate alt. Ein Glückstreffer dachte ich. Wir lassen Sie ausbilden zum Diabetiker-Warnhund. Das Internet gibt viel her – also ruft man eine Hundeschule nach der anderen an. Es ist frustrierend.

Gespräche wie: “Ihre Hündin ist schon 1 Jahr alt? Mhm. das ist natürlich nicht so einfach, wissen Sie es ist besser mit einem Welpen anzufangen – aber wir testen sie einfach mal ob es noch möglich ist!”

“Wissen Sie nicht jeder Hund, auch nicht die Retriever, sind geeignet als Diabetiker-Warnhund zu fungieren. Aber wir können einen Test mit ihrem Hund durchführen und können so feststellen ob er ein Anzeigeverhalten hat oder nicht. Was der Test kostet? Je nach dem – so mit 2.000 EUR müssen sie auf jeden Fall rechnen” Und danach belaufen sich die Gesamtkosten der Ausbildung auf rund 7.000 Euro – ohne Übernachtungen!”

“Wir machen Wochenendausbildungen – sie reisen Freitags an und bleiben bis Sonntag. Sie sind nur in ganz kleinen  Gruppen von bis zu max 5-6 Hunden mit ihren Herrchen zusammen. Die Ausbildungskosten belaufen sich insgesamt 8.000-10.000 EUR (ohne Übernachtungen).

“Tut uns leid, wir haben im Moment keine Hunde zu vergeben, auch die Warteliste für so einen Hund ist sehr sehr lange – (ich wollte keinen Hund) – die Hunde kosten bis zu 20.000 EUR. Aber ich gebe ihnen einen tollen Tip: Wir bringen in ein paar Wochen ein Buch raus – für ca. 18,00 EUR, dann können Sie ihren Hund ganz alleine ausbilden.”

Man legt den Hörer auf und man hat erstmal dicke Tränen in den Augen. Anzeigetest? 4.000 EUR, 7.000 EUR, 10.000 EUR… grauenvoll hohe Zahlen schwirren in meinem Kopf… für mich steht fest – wir können uns das nicht leisten! Ich bin total enttäuscht und traurig!

Als letztes Möglichkeit rief ich im Hundezentrum Siegerland bei Uschi Loth  http://www.teamwaerts.com/  an. “Wie? Ich brauche kein Test ob der Hund anzeigefähig ist? Was???? Der Hypogeruch ist für einen Hund tatsächlich so stark, dass auch Hunde “ohne” Nase es riechen können? WAAAAAs? Ich trainiere mit ihr als Trainerin alleine und es wird ein Stundenlohn abgerechnet? Ich habe nach ca. 15 Minuten Gespräch aufgelegt und da sind die Tränen erst richtig geflossen! Ich wusste, ich hab jemanden gefunden, der unsere Evy mit mir ausbildet ohne dass wir finanziell enthauptet sind. 3 Wochen später hatte ich meinen ersten Termin. Ich konnte auf dem Gelände von Uschi übernachten und die Trainingseinheiten wurden gesplittet, denn gerade die Nasenarbeit ist für den Hund sehr anstrengend und die Konzentration beim Hund schnell erschöpft. Ich genoss die Zeit sehr – die Trainingseinheiten sind auch für mich anstrengend gewesen – ich versuche ja nichts zu vergessen – wir wollen es ja besonders gut machen! Die Spaziergänge auf dem Gelände und die liebe und einflühlsame Art von Uschi haben es mir möglich gemacht so kurz nach der Diagnose etwas abzuschalten.

Mittlerweile (nach 6 Monaten das erste mal) zeigt unsere Evy den Unterzucker an – tagsüber – nachts tut sie das (noch) nicht! Evy ist und bleibt unser Familienhund und dass sie selbst eine so wunderbare Aufgabe bekommen hat, hat sich in ihrem freundlichen und sanften Wesen und die Liebe zu den Kinder nur noch verstärkt! Sie hat ihre Prüfung noch nicht abgelegt – wir arbeiten aber daran und bald darf sie eine tolle Kenndecke tragen, die sie als Diabetiker-Warnhund kennzeichnet.

Ich bin unglaublich glücklich, dass ich eine kostengünstige Möglichkeit gefunden habe um meinen Hund zum Hypo-Hund auszubilden.

NS: Eine Illusion ist es allerdings, dass ein Diabetiker-Warnhund überall und ausnahmslos mit hingenommen werden darf! Ob Kenndecke oder nicht – es gibt keine gesetzlichen Regelungen außer das Hausrecht des Einzelnen. Es ist also jedem Restaurant-Besitzer, jedem Gemüsehändler o.s. seine eigene Entscheidung ob der Diabetiker-Warhund das Geschäft betreten darf oder nicht.

Gast Autor

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1 Comment

  • Ute Engel 01/09/2015 at 21:32

    Hallo, wenn ich Ihre Zeilen lese habe ich das Gefühl, dass ich gerade ein Dejavü erlebe. Mir wurden damals genauso schwindeleregende Zahlen um die Ohren gehauen. Nur das mit dem Buch fehlte noch. Meine Angel (eine dunkelbraune Labrador Hündin) war damals 16 Monate als ich eine Hundeschule gefunden habe die so arbeitet wie die, die Sie beschrieben haben. Durch meine enge Bindung zur Angel hatte ich sie unbewusst auf diese Aufgabe vorbereitet. Dadurch hatte ich das Glück innerhalb kürzester Zeit das Zertifikat zum Diabetikerhund zu erhalten.
    Mich hat es damals auch sehr getroffen. Ich kann mir vorstellen wie Sie sich gefühlt haben. Wahrscheinlich noch schlimmer als ich mich gefühlt habe, denn es ging ja um Ihr eigenes Kind. Bis vor kurzem hatte ich einen ähnlichen Artikel auf meinen Blog. Aber als ich angefangen habe gegen das Erlebte aktiv zu werden, habe ich mich entschlossen die negativen Zeilen zu entfernen. Ich hatte mich selber vor der Entscheidung gestellt die Wahrheit auf meinem Blog zu belassen, oder anderen Menschen, sprich Diabetiker zu helfen. Beides passte nicht zusammen. Mein Ziel war es, Diabetiker eine weitere Möglichkeit zu bieten eine Ausbildung Diabetikerwarnhund zu bekommen. Eine bezahlbare vor allen Dingen, die auch die Nachhaltigkeit beinhaltet. Ich hatte damals auch vor lauter Begeisterung einen sehr lobenden Artikel über die Hundeschule Birgit Balogh in Renningen verfasst. Mittlerweile haben wir gemeinsam einen Videokurs Ausbildung Diabetikerwarnhund entwickelt. Sicher nicht für jeden geeignet, aber eine zusätzliche Option.
    Ihre Geschichte hat mich sehr berührt und ich freue mich das Evy das für Ihr Kind macht. Jedenfalls würde ich mich freuen wenn wir mal in Kontakt treten würden. Meine URL habe ich bewusst nicht angegeben um nicht den Eindruck zu erwecken Ihren Blog als Werbeplattform zu missbrauchen.

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